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LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Limina - Grazer theologische Perspektiven, Band 3:2
Seite - 182 -
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182 | www.limina-graz.eu Elisabeth Zissler | Digitale Kränkung? Um diese Fragen beantworten zu können, braucht es eine nähere Betrach- tung des Intelligenz- bzw. Wissensbegriffs. Was unterscheidet die KI von der „menschlichen“ Intelligenz? Gibt es auch Teile des menschlichen Wis- sens, die der KI fehlen? Künstliche Intelligenzen haben eine „gigantische Informations- und Wis- senskapazität“ (Spiekermann 2019, 231) und übertreffen den Menschen beim „Erkennen von einmal erfassten und wiederkehrenden Mustern“ (Spiekermann 2019, 213), etwa bei Sprachmustern, in der visuellen Detail- erkennung oder im Erkennen von neuen Mustern im Rahmen von Big Data- Analysen. Demzufolge ist Künstlicher Intelligenz im Vergleich zum Men- schen in jenen Bereichen, wo es um umfassende Wissensspeicherung und -verarbeitung, Rechenkraft und komplexe Informationsverarbeitung geht, eine überlegene Position zuzugestehen. Allerdings gibt es auch Be- reiche des „Wissens“, in denen genuin menschliche Fähigkeiten jene von Maschinen übertreffen. Darauf wird später noch einmal Bezug genommen werden, wenn es um die Frage nach sozialer Intelligenz geht. Spezifisch menschliche Tätigkeiten können durch Roboter ersetzt werden Der Einsatz von Pflegerobotern beschäftigt die wissenschaftliche For- schung schon seit Längerem. Gebaut wird an Hebeunterstützungsgeräten ebenso wie an „Spielzeug“ oder an Robotern für therapeutische Zwecke, wie etwa der Pflegerobbe Paro. Die Sinnhaftigkeit dieser technischen Ent- wicklungen in den hier angeführten Bereichen lässt sich durchaus argu- mentieren. Doch wie verhält es sich mit dem Einsatz von sozialen Robotern in religiösen Kontexten, genauer gesagt bei einem Roboter, der Menschen segnet (vgl. Abb. 1)? Der humanoide Segensroboter namens BlessU-2 wurde von der Evange- lischen Kirche Hessen und Nassau (EKHN) im Rahmen einer öffentlichen Ausstellung anlässlich des 500-Jahr-Jubiläums der Reformation erstmalig gezeigt (vgl. EKHN 2017). Dabei interagierte der Roboter mit über zehn- tausend Besucher*innen. Medial bekam das Projekt rund um BlessU-2 große Aufmerksamkeit, wurde jedoch auch als Provokation wahrgenom- men. Worin bestand die Provokation? Der Einsatz des Roboters löste eine grundsätzliche Debatte über das Verhältnis Mensch – Roboter aus und ganz konkret darüber, ob Roboter genuin menschliche Tätigkeiten über- nehmen können und – im Falle von BlessU-2 – überhaupt zu „spirituellen Kompetenzen“ fähig sind. Durch technische Entwicklungen wie BlessU-2 wird Anlass dazu gegeben, Sinn und Bedeutung bestehender Konzepte und Abb. 1: BlessU-2 der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau Foto: EKHN
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Limina Grazer theologische Perspektiven, Band 3:2
Titel
Limina
Untertitel
Grazer theologische Perspektiven
Band
3:2
Herausgeber
Karl Franzens University Graz
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 4.0
Abmessungen
21.4 x 30.1 cm
Seiten
270
Kategorien
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