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Elisabeth Zissler | Digitale Kränkung?
Menschliche Intelligenz beinhaltet soziale Intelligenz
Die Herausforderungen des digitalen Wandels, wie etwa der Einsatz von
Social Robotics wie Sophia oder des Segensroboters BlessU-2, geben An-
lass, darüber nachzudenken, was den Menschen eigentlich zum Menschen
macht – über seine biologische Konstitution hinausgehend. Es geht also
darum, jene typischen Merkmale der menschlichen Natur erneut in den
Blick zu nehmen, die – im Vergleich zu Künstlichen Intelligenzen – als
„exklusiv“ menschliche Fähigkeit bezeichnet werden können.
Aus der Verhaltensbiologie ist bekannt, dass der Mensch ein soziales Wesen
ist, das auf Beziehung und Kooperation angewiesen ist. Die menschliche
Intelligenz optimiert sich erst im Rahmen von „Empathie, Emotionen und
sozialen Kompetenzen“ (Kotrschal 2019, 16). Während es für Menschen
möglich ist, sich im Sinn einer „totalen Kommunikation“ (Dieter Wyss)
neben dem Austausch von Sachinformationen auch über Gefühle auszu-
tauschen, bleibt Letzteres der Maschine verwehrt (vgl. Potschka 2020).
Auch in der digitalen Zukunft gilt es weiterhin anzuerkennen, dass das
Individuum existenziell auf soziale Interaktions- und Anerkennungsver-
hältnisse angewiesen ist. In dieser Hinsicht bleiben Menschen hinsichtlich
ihrer sozialen Intelligenz füreinander unersetzbar.
Die ethische Qualität des menschlichen Urteils
Der Einsatz digitaler Technologien ermöglicht einerseits mehr Hand-
lungsspielräume, andererseits eröffnet das digitale Zeitalter auch zahl-
reiche informations- und kommunikationsethische Problemhorizonte: so
etwa die missbräuchliche Verwendung von Big Data-Analysen; den Ein-
satz von manipulativen Algorithmen bei der Nutzung des Internets oder
bei demokratischen Prozessen; den überbordenden Konsum von Social
Media; Fragen von Privacy und Sicherheit etc. Anhand dieser Beispiele wird
bereits deutlich, dass IKT und Werte nicht einfach Hand in Hand gehen,
sondern das Individuum nach wie vor zur selbstständigen Urteilsbildung
herausgefordert wird. Die Fähigkeit des Menschen, eigenständig zu denken
und Entscheidungen zu treffen – auch in ethischen Fragen –, ist Teil sei-
ner Reflexionsfähigkeit und darf nicht auf Maschinen und ihre Datensätze
ausgelagert werden. In diesem Zusammenhang mahnt etwa Sarah Spieker-
Menschen bleiben hinsichtlich ihrer sozialen Intelligenz füreinander unersetzbar.
Limina
Grazer theologische Perspektiven, Band 3:2
- Titel
- Limina
- Untertitel
- Grazer theologische Perspektiven
- Band
- 3:2
- Herausgeber
- Karl Franzens University Graz
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 4.0
- Abmessungen
- 21.4 x 30.1 cm
- Seiten
- 270
- Kategorien
- Zeitschriften LIMINA - Grazer theologische Perspektiven