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LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Limina - Grazer theologische Perspektiven, Band 3:2
Seite - 186 -
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186 | www.limina-graz.eu Elisabeth Zissler | Digitale Kränkung? mann ein, dass „utilitaristisch programmierte künstliche Intelligenzen“ nie „ethisch relevante Handlungsvorschläge“ machen sollten, und schlägt sogar vor, dass künstlichen Intelligenzen einprogrammiert werden soll, keine Entscheidungen für uns zu treffen (Spiekermann 2019, 235). Angesichts dessen ist es notwendig, das Individuum zur eigenen ethischen Urteilsbildung heranzuführen und ihm die Komplexität ethischer Sachver- halte und Problemlagen einsichtig zu machen. Einen dahingehend viel- schichtigen Einblick zu gewinnen, schützt nicht zuletzt auch vor einer Sim- plifizierung ethischer Dilemmata und einer vorschnellen Urteilsbildung. Diese genuin menschliche Fähigkeit zur selbstständigen ethischen Refle- xion bleibt der Maschine ebenso verwehrt wie die Fähigkeit, „das Reale zu untersuchen“ (Spiekermann 2019, 215) und in die ethische Urteilsbil- dung miteinzubeziehen. Der Mensch ist hingegen dazu befähigt, sich nicht ausschließlich auf reine Daten fokussieren zu müssen. Er ist in der Lage, menschliche Lebensrealitäten aus einer Innenperspektive wahrzunehmen, komplexe Bedeutungszusammenhänge bestehender Wirklichkeitsverhält- nisse zu erschließen und infolgedessen ethisch relevantes Orientierungs- wissen zu generieren, worin sich seine ethische Kompetenz manifestiert. Darüber hinaus besteht ausgehend von einem reflektierten Wissensver- ständnis (vgl. Spiekermann 2019, 208–211) ein weiteres wesentliches Un- terscheidungsmerkmal zwischen Mensch und KI darin, dass Maschinen nicht dazu in der Lage sind, „Werte“ wahrzunehmen: „Wenn Maschinen intelligent sind, dann sind sie es ganz sicher nicht im menschlichen Sinn. […] Weil Computer all die unsichtbaren Ideen und Werte nicht wahrnehmen können, die jeder normal begabte und groß gewordene Mensch zu erkennen gelernt hat, werden uns Computer in dieser Beziehung immer ein bisschen hinterherhinken.“ (Spiekermann 2019, 212). Wie anhand dieser Überlegungen gezeigt werden konnte, gibt die Rede von der digitalen Kränkung des Menschen dazu Anlass, „exklusiv“ mensch- liche Fähigkeiten als solche wiederzuentdecken und ein tieferes Verständ- nis dafür zu gewinnen, was Empathie, Wissen und Intelligenz sowie ethi- sche Kompetenz im digitalen Zeitalter bedeuten. Angesichts dessen kann die digitale Kränkung als chancenreiche Krise im Selbstverständnis des Menschen zur Geltung gebracht werden. Maschinen sind nicht dazu in der Lage, Werte wahrzunehmen.
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Limina Grazer theologische Perspektiven, Band 3:2
Titel
Limina
Untertitel
Grazer theologische Perspektiven
Band
3:2
Herausgeber
Karl Franzens University Graz
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 4.0
Abmessungen
21.4 x 30.1 cm
Seiten
270
Kategorien
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