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LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Limina - Grazer theologische Perspektiven, Band 3:2
Seite - 213 -
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213 | www.limina-graz.eu Viera Pirker | „#monthoftherosary“. Theologische Rekonstruktion zu einem Instagram Image zieht sich in Beziehung und SozialitĂ€t, die nicht unbedingt reziprok ge- staltet sein muss. Die Bildauswahl in der Account-Kuratierung zeigt, wie der Bildsinn einer ‚anderen Welt‘ im Bild verbleibt und hinein transportiert wird in die, wie @onehailmaryatatime suggeriert, Wunder bergende RealitĂ€t des Gebets, die abgeschieden schwebend, alltĂ€glich-alltagsenthoben und doch in Beziehung befindlich beschrieben wird. Mit dieser AuthentizitĂ€ts- fiktion werden die Rezipient_innen an einem BedĂŒrfnis ihrer Insta gram- Nutzung – Entspannung, Ruhe, Alltagsflucht, Inspiration – abgeholt. Die klassische und traditionale Praxis des Rosenkranzes wird hier zu einem feel-good-Produkt: Gott und Glauben mĂŒssen nicht befragt werden, son- dern es geht um wohltuende religiöse Praxis im Hier und Jetzt – ein Trai- ning, das vergleichbar ist mit Meditation oder Yoga. Der Account inszeniert eine fĂŒr den US-amerikanischen Katholizismus nicht untypische Kombination: „ModernitĂ€t und HochreligiositĂ€t paa- ren sich auf unerwartete Weise.“ (Sellmann 2011, 290) ReligiositĂ€t wird in Social Network Sites wie Instagram durchaus praktiziert und inszeniert. Im raschen Scrollen durch den Instagram-Feed werden Menschen ein, zwei, vielleicht zehn Sekunden mit diesem Bild verbracht haben, einige wenige mehr Zeit mit dem Text. Manche setzen eine sichtbare Reaktion in Form eines „Like“ oder eines aufwĂ€ndigeren Kommentars. Ein kurzer, ober- flĂ€chlicher Moment der Begegnung, der religionsbezogenen Interaktion wird hier in einem nahezu archĂ€ologisch anmutenden Zugang in die Tiefe seiner BezĂŒge hinein ausgelotet. Die extreme Verlangsamung der Wahr- nehmung mit der dokumentarischen Methode hinterfragt und expliziert scheinbar ‚oberflĂ€chliche‘ Nutzungspraktiken und bricht konkrete Hand- lungen, die im intimen Raum des Smartphones, ‚hinter‘ der OberflĂ€che einer visuell strukturierten Plattform liegen, auf. FĂŒr die Praktische Theo- logie eröffnen sich Social Network Sites als Orte konkreter gegenwĂ€rtiger Glaubenszeugnisse. In den plattformspezifischen Praktiken entsteht ein aus Bildern und Texten strukturierter Kommunikationsraum, in dem reli- giöser Dialog geschieht und erfahrungsbasierte religiöse Kommunikation in der Verbindung verschiedener Medien in einem Spiel aus AuthentizitĂ€t und Inszenierung vollzogen wird. Social Network Sites als Raum, in dem religiöse Kommunikation in einem Spiel aus AuthentizitĂ€t und Inszenierung vollzogen wird
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Limina Grazer theologische Perspektiven, Band 3:2
Titel
Limina
Untertitel
Grazer theologische Perspektiven
Band
3:2
Herausgeber
Karl Franzens University Graz
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 4.0
Abmessungen
21.4 x 30.1 cm
Seiten
270
Kategorien
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