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Eugen Dolezal und Moritz Windegger | KI – Künstler oder Werkzeug?
bend ist der Bezug der Menschen, die das Produkt der Künstlichen Intelli-
genz rezipieren und durch Zustimmung oder Verneinung des Ergebnisses
mit ihren eigenen ursprünglichen Erfahrungen anreichern. Dadurch ver-
leihen sie der Maschine scheinbar die Befähigung, etwas zu schaffen, das
doch lediglich aufgrund der Einwirkung dieser konkreten Menschen selbst
geschaffen wird. Demnach kann die Künstliche Intelligenz auch nicht die
künstlerische Tätigkeit umfassend abbilden.
Was ist es aber, das den Menschen zu einer Leistung befähigt, die einer
Maschine verwehrt bleibt? Zweierlei, das sich in eines zusammenfügt: Die
Freiheit, das Nicht-determiniert-Sein des Menschen, und seine ursprüng-
liche, sein ganzes Wesen umfassende Erfahrung, kurz: das Personsein des
Subjekts sind wesentlich für das Schaffen eines Kunstwerkes. Denn un-
geachtet des Mediums der Kunst ist doch stets ein Teil des Künstlers/der
Künstlerin selbst im Kunstwerk, ist es Teil seines/ihres Seinsvollzuges. Aus
diesem Grund ist es auch unmöglich, dass eine Maschine ein Kunstwerk
wie die Unvollendete ebenso wie Beethoven fortschreiben könnte, da sie
nicht seinen individuellen Seinsvollzug teilen kann. Natürlich ist das auch
anderen Menschen unmöglich, aber da diese selbst über Freiheit und Per-
sonalität verfügen, können sie zumindest eigene Kunstwerke schaffen.
Schlussendlich kann die Maschine zwar schneller rechnen und größere Da-
tenmengen verarbeiten, aber jede Künstliche Intelligenz bleibt lediglich ein
Werkzeug des Menschen. Sein Alleinstellungsmerkmal ist nicht, wie Floridi
meint, das Denken, sondern das Person-Sein. In Hinblick auf das künst-
lerische Schaffen ist Künstliche Intelligenz wie der Meißel eines Bildhauers
oder einer Bildhauerin. Selbst wenn dieser Meißel noch so funktional, noch
so fein und in der Lage ist, Ungeahntes aus dem Stein hervorzubringen, so
ist er ohne die Hand des Künstlers/der Künstlerin lediglich ein Instrument,
das seiner Verwendung harrt.
Wesentlich für das Schaffen eines Kunstwerks
sind die Freiheit und das Personsein des Subjekts.
Limina
Grazer theologische Perspektiven, Band 3:2
- Titel
- Limina
- Untertitel
- Grazer theologische Perspektiven
- Band
- 3:2
- Herausgeber
- Karl Franzens University Graz
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 4.0
- Abmessungen
- 21.4 x 30.1 cm
- Seiten
- 270
- Kategorien
- Zeitschriften LIMINA - Grazer theologische Perspektiven