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LIMINA 4:2 | Essen – Religiöse, ethische und philosophische Aspekte | Editorial
Ziel seiner Untersuchung besteht darin, aus philosophischer Perspektive
eine möglichst vollständige Antwort auf die Frage nach der Rolle des Ge-
schmacks in der menschlichen Erfahrungswelt zu geben.
Unter dem programmatischen Titel „Essen und Trinken als Ausdruck von
Identität und Diversität im (rabbinischen) Judentum“ nähert sich Gerhard
Langer, Universitätsprofessor am Institut für Judaistik der Universität
Wien, dem Thema Ernährung als zentralem Bestandteil jüdischer Kultur
und Religion an. Er geht dabei zunächst dem biblischen Hintergrund der
Speisegesetzgebung nach und stellt sodann die rabbinische Rezeption ins
Zentrum. Insbesondere analysiert der Autor die Funktion der jüdischen
Speisegebote als Identitätsmarker: Zum einen dienen sie zur Identitäts-
stiftung und Abgrenzung nach außen, und zum anderen spiegeln sie – je
nachdem, ob oder in welcher Form sie Teil des täglichen Lebens sind – in-
nerjüdische Diversität wider. Nicht zuletzt beleuchtet Langer auch Aspek-
te der metaphorischen Bedeutung von Essen und Trinken in der jüdischen
Tradition.
Ulvi Karagedik, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Islamische
Theologie und Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule
Karlsruhe, widmet sich in seinem Beitrag mit dem Titel „Ansätze für eine
islamische Speiseethik gemäß den islamischen Primärquellen Koran und
Hadith. Eine kategoriale Quellensichtung mit Blick auf gegenwartsrelevan-
te Bedeutungen“ der Mehrdimensionalität islamischer Speiseregeln und
stellt dabei eine Analyse von Sinn und Zweck speiseethischer Prinzipien
ins Zentrum. Er streicht klar heraus, dass eine Fokussierung auf bekann-
te muslimische Essenskriterien wie ḥalāl und ḥarām der Vielschichtigkeit
der islamischen Speiseethik nicht gerecht werden. Insbesondere bezieht
der Autor aktuelle Fragen der Umwelt- und Ressourcenschonung sowie des
Tierwohles und Tierschutzes in seine Darstellung mit ein und plädiert für
eine achtsame, Umwelt und Tierwelt schützende islamische Ernährungs-
weise.
Mit den Spiegelungen und Brechungen von Krisenerfahrungen in religiös
codierten Esskulturen beschäftigt sich der Beitrag von Claudia D. Bergmann,
Dozentin für Alttestamentliche Bibelwissenschaft und wissenschaftli-
che Mitarbeiterin in einem Forschungsprojekt zu den Sabbatopferliedern
aus Qumran an der Ruhr-Universität Bochum. Unter dem Titel „Allein am
Tisch? Antike und moderne jüdische Antworten auf den drohenden Wegfall
eines Gemeinschaftsrituals in Krisensituationen“ befasst sie sich einer-
seits mit antiken jüdischen Texten, in denen der endzeitliche Ausblick auf
das „Mahl in der kommenden Welt“ alle tatsächlich erlebten sozialen und
Limina
Grazer theologische Perspektiven, Band 4:2
- Titel
- Limina
- Untertitel
- Grazer theologische Perspektiven
- Band
- 4:2
- Herausgeber
- Karl Franzens University Graz
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 4.0
- Abmessungen
- 21.4 x 30.1 cm
- Seiten
- 214
- Kategorien
- Zeitschriften LIMINA - Grazer theologische Perspektiven