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Der Filmkomponist Max Steiner - 1888 - 1971
Seite - 246 -
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246 4- Zusammenfassung „If Richard Wagner would have lived in this Century he would be the number one film composer". Im Ring des Nibelungen zum Beispiel gibt es an die hundert Leitmotive, die Wagner allerdings selbst melodische Momente genannt hatte. Das Leitmotiv gibt dem Komponisten die Möglichkeit, durch die musikalisch-thematische Arbeit, also durch Permutationen, Variationen, Modulationen, Sequenzen etc., die verschiedenen situati- ven oder emotionalen Momente aufzugreifen und pointiert umzusetzen. Dies ist natür- lich ein wertvolles Werkzeug für den Filmkomponisten, der in sehr viel kürzerer Zeit dieselben dramaturgischen Vorgaben zu erfüllen hat: innere Vorgänge sichtbar zu ma- chen, innere und äußere Veränderungen zu verdeutlichen, Verbindungen zu schaffen, Assoziationen hervorzurufen. Auch der harmonische Unterbau dient als musikalischer Katalysator dramaturgischer Vorgaben. Wagner nannte den steten musikalischen Fluss, den er seiner Handlung unterlegte, unendliche Harmonie. Die Harmoniewechsel wa- ren nicht mehr funktionsharmonisch, sondern suggestiv. Dies bedeutet, dass es nun die wichtigste Aufgabe der Akkorde war, durch ihre Farbe oder Helligkeit die emotio- nalen Wechselwirkungen sicherzustellen. Auch dies ist ein hervorragendes Werkzeug. Auch dies ist ein hervorragendes Werkzeug für den Filmkomponisten, der in kürzester Zeit auf emotionale Veränderungen zu reagieren hat. So hat Max Steiner in dem Film Casablanca beispielsweise das Motiv der Marseillaise metrisch verzogen und verändert, in Moll harmonisiert, in Medianten trugschlussartig aufgelöst und mit dem Motiv des Deutschlandliedes collagenartig verquickt. Neben diesen beiden genannten Leitmotiven, die den zeitlichen, politischen und geschichtlichen Kontext verdeutlichen, ist der Song As Time Goes By das Leitmotiv für die Personalisierung der Geschichte. Max Steiner war zeitlebens nicht überzeugt von dem Lied. Allerdings hat erst dieser Song die emoti- onale Identifizierung des Publikums mit der Geschichte und damit den Erfolg des Fil- mes ermöglicht. Über zwanzigmal taucht das Motiv in der Filmmusik von Casablanca auf, Steiner unterzieht es jeder denkbaren musikalischen Veränderung. Allein durch das Hören der diversen Variationen dieses Motivs kann sich der Hörer das Geschehen plastisch vorstellen. Die Musik schafft es, dass die Handlung, losgelöst vom Bild, im Kopf der Hörer zum Leben erweckt wird („Kino im Kopf). In der Filmmusik unter- scheidet man zwischen sogenannter diegetischer Musik, deren Quelle im Bild zu se- hen ist, und nicht-diegetischer Musik. Der Reiz besteht in der Mischung zwischen der Musik, die die Protagonisten hören können, und solcher, die nur der Zuhörer hört. In der Montagesequenz von Casablanca, in der mittels eines Rückblicks die Vorgeschichte erzählt wird, wechselt Steiner mehrmals von sogenannter source music (diegetisch) zum underscoring (nicht-diegetisch) und zurück. Underscoring wird hier benutzt, um dem Zuschauer momentane emotionale Regungen eines oder mehrerer Protagonisten nahe- zubringen, die der oder die anderen Beteiligten der Szene nicht wissen können, wäh-
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Der Filmkomponist Max Steiner 1888 - 1971
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Der Filmkomponist Max Steiner
Untertitel
1888 - 1971
Autor
Peter Wegele
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
302
Schlagwörter
Film Music, Biography, Cinema, Musical science, Musicology, History of Music
Kategorie
Biographien
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