Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Zeitschriften
Mobile Culture Studies The Journal
>mcs_lab> - Mobile Culture Studies, Band 2/2020
Seite - 222 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 222 - in >mcs_lab> - Mobile Culture Studies, Band 2/2020

Bild der Seite - 222 -

Bild der Seite - 222 - in >mcs_lab> - Mobile Culture Studies, Band 2/2020

Text der Seite - 222 -

222 Mobile Culture Studies. The Journal 6 2o20 (Travel) Daniel Winkler | Mobile Bildinventare Wohnsitz im ChĂąteau de Grillon nicht auf das Schreiben als Verdienstquelle angewiesen ist, sich aber in der Nachfolge von MoliĂšre als Theaterautor am Théùtre-Italien und der ComĂ©die- Française in Paris etabliert. Von seinen rund 30 Komödien, Bouffonnerien und Libretti mit Titeln wie Le Joueur (1696), Les Folies amoureuses (1704) oder Le Carnaval de Venise (1699) wird im 18. Jahrhundert ca. die HĂ€lfte ins Deutsche ĂŒbersetzt. Bis ins 19. Jahrhundert hinein ist Regnard ein auf europĂ€ischen BĂŒhnen vielgespielter Autor. Seine sechs Texte, die in der Forschung als Reiseberichte klassifiziert werden und von seinen Fahrten nach Nordfrankreich (1683), Nordosteuropa (1681–1683) sowie Italien und das Osmanische Reich (1675, 1678) erzĂ€h- len, erscheinen hingegen erstmals 1731 im Rahmen der posthumen fĂŒnfbĂ€ndigen Edition seiner Werke, darunter auch seine deutlich aus dem Rahmen fallende ErzĂ€hlung La Provençale. Diese stark intermedial und selbstreflexiv geprĂ€gten Texte liegen bis heute nur auf Französisch vor.3 Ein satirisches Reisepastiche im Zeichen des galant-tendre La Provençale beginnt mit einer Rahmenhandlung im Pariser Umland und fokussiert dann die Reise des Aristokraten Zelmis ĂŒber SĂŒdfrankreich nach Italien, wo dieser in Bologna im Karne- val das Paar de Prade und Elvire kennenlernt und sich sogleich in die titelgebende Provenzalin verliebt. Nach einer hartnĂ€ckigen Suche nach der vorerst affektkontrollierten Elvire stoßen die beiden zunĂ€chst in Rom, dann auf der SchiffrĂŒckreise von Genua nach Marseille wieder auf- einander. Das britische Schiff, auf dem sie sich befinden, wird aber alsbald von osmanischen Freibeutern gekapert. De Prade und Zelmis werden in Algier als Sklaven verkauft, Elvire in das Serail aufgenommen, wo ihr von Baba-Hassan der Hof gemacht wird. Zelmis schafft es schließlich als Maler zu Elvire vorzudringen. Nach einigen Monaten in Gefangenschaft und einem missglĂŒckten Fluchtversuch können die beiden mittels eines vom französischen Konsul arrangierten Freikaufs als vereintes Liebespaar nach Frankreich zurĂŒckkehren, in dem Glauben, dass de Prade der Pest erlegen ist, was sich am Ende allerdings als Irrtum herausstellt. Wurde diese ErzĂ€hlung mit ihren offensichtlichen Anleihen an das populĂ€re Bildinven- tar der europĂ€ischen ‚BerberkĂŒsten‘-ErzĂ€hlung in den Editionen des 18. und 19. Jahrhunderts immer wieder als (semi-) autobiographische „historiette“ gefasst (Regnard 1843, 475, cf. 1–6), so entspricht das der latent essentialistischen Authentifizierungspraxis rund um ‚EntfĂŒhrungs- berichte‘. Denn formal nimmt der Text, den AndrĂ© Blanc als „roman hybride“ bezeichnet hat (2012, 27), in Regnards Schaffen eine Sonderposition ein. An ihm lassen sich thematisch-topo- graphische Transferprozesse beobachten, die im Sinn einer transarealen Mobilisierung von WissensbestĂ€nden aufschlussreich sind (Ette 2012, 5). La Provençale erscheint aber mindestens genauso aufgrund formalĂ€sthetischer Dynamiken interessant, die vor dem Hintergrund der zunehmenden Literarisierung der Reiseliteratur ab dem spĂ€ten 16. Jahrhundert zu betrachten sind. Wie Dominique Bertrand konstatiert hat (2007, 7–8), verbreitert sich nun das Spektrum der Autor_innen, mit Blick auf eine mondĂ€ne Leserschaft ist dabei der Trend einer burles- ken Ästhetisierung der galanten Reiseliteratur zu beobachten. Im 17. Jahrhundert werden so Form und Inhalt unter dem Vorzeichen von Unterhaltung und Abenteuer neu gestaltet, das VerhĂ€ltnis von Beobachtung und Imagination neu ausgelotet (Hall 1984). Dies fĂŒhrt, wie im 3 Zu Regnard als Reise- und Theaterautor vgl. die zahlreichen Publikationen und Werkeditionen von Sylvie Requemora (u.a. 2007/08/13/15).
zurĂŒck zum  Buch >mcs_lab> - Mobile Culture Studies, Band 2/2020"
>mcs_lab> Mobile Culture Studies, Band 2/2020
The Journal
Titel
>mcs_lab>
Untertitel
Mobile Culture Studies
Band
2/2020
Herausgeber
Karl Franzens University Graz
Ort
Graz
Datum
2020
Sprache
deutsch, englisch
Lizenz
CC BY 4.0
Abmessungen
21.0 x 29.7 cm
Seiten
270
Kategorien
Zeitschriften Mobile Culture Studies The Journal
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
>mcs_lab>