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Mobile Culture Studies. The Journal 6 2o20 (Travel)
Holger Helm | Essay: „Es ist ein Aberglaube geworden, dass man vom Zugfenster aus nichts sieht.“ 253
Atlantik
Mittelmeer
Lille
3./4.9.
Orleans
6./7.9.
Nantes
7./8.9. „Kiefernpflanzungen
treten am Bahndamm auf.
Die Dörfer sind wieder
weiß geworden,
mit Ziegeldächern.
Bei Bacouël sind Spuren von
Weingärten zu sehen, aber
die Apfelbäume
werden üppiger –
ein Zeichen, daß wir uns
dem gelobten Lande des
cidre nähern,
der fruchtbaren und hellen
Normandie ...“ „Luzernen- und Klee-
felder tanzen vorbei, daran
erinnernd, daß hier auch
Viehzucht getrieben wird,
...Mitten in diesen
nordischen Gegenden
erhebt sich ein hellgrünes
saftiges Wäldchen von
Futtermais, das mit seinen
südländischen Formen und
Farben das Gemälde
einen Augenblick belebt;
gleich darauf wird es
wieder schwarz,
schwarz von der traurigen
Pferdebohne...“ „Die Sonne senkt sich
und die Landschaft hüllt
sich in eine leichte
Dämmerung, über die
noch eine Weile die hell-
blaue Kette der Vogesen
hervorragt.
Dann schmilzt alles
zusammen in ein undefi-
nierbares Grau, und nur die
Weißdornhecke
längs der Bahnlinie ist
noch vom Coupéfenster
aus wahrzunehmen...“
„Kiefernpflanzungen
treten am Bahndamm auf.
Die Dörfer sind wieder
weiß geworden,
mit Ziegeldächern.
Bei Bacouël sind Spuren von
Weingärten zu sehen, aber
die Apfelbäume
werden üppiger –
ein Zeichen, daß wir uns
dem gelobten Lande des
cidre nähern,
der fruchtbaren und hellen
Normandie ...“
„Die Sonne sinkt, als wir
an dem grenzenlosen
Sumpfe von Camargue
vorbeikommen...
Der Mond geht auf über
einem Hügel, der mit
wohlbeschnittenen Oliven
eingefaßt ist, und sein
bleicher Schein fällt bald
auf ein weißes Dorf,
bald auf die Wasser-
flecken eines Sumpfes,
über denen der Schein von
offenen Fenstern zu sehen
ist.“
„Der Tau liegt noch auf
den Akazien, welche die
Bahn begleiten, und Bor-
deauxreben kommen
bis dicht an den Damm.
Darauf beginnt bald das
defilé, das sich einige
Stunden lang folgender-
maßen wiederholt: ein
Wald von mittelgroßen
Meerkiefern mit baum-
artiger niedriger Heide,
Farnkräutern, einigen
Birken, einigen Stein-
eichen. Darauf offene
Heide mit Heidekraut...“
„Wir fahren jetzt am
Strande des Atlantischen
Ozeans, wo die Kultur
Niederungen für eine
Vegetation von recht
wechselnden Charakter
erobert hat...
Wein in Buschform,
Spargel, Kartoffeln,
Tamarisken,
Buschkiefern,
Convolvulus,
Coquelicot,
Zuckerrüben, Schilf,
Hopfen, usw. ...“ „Und dann beginnt die
Lustfahrt durch das lieb-
lichste Land, lieblich wie
der Normandie Pays de
Bray, aber in anderer Art.
Das Ganze hat als Total-
eindruck in meinem Auge
die Erinnerung an ein
einziges großes Frucht-
stück zurückgelassen,
auf eine fünfzig Kilometer
lange Leinwand gemalt,
die sich von Weste nach
Osten abrollt...“ C B
A
I
„Über einer Heide mit
spanischem Ginster und
baumhohen Tamarisken
ist endlich das Mittelmeer
zu sehen, wie ein blauer
Streifen .. und als wir
an den Salzwerken von
Onglous mit ihren weißen
Salzpyramiden vorbei-
kommen, liegt das blaue
Meer mit unzähligen
Segeln ganz offen da
vor dem Zuge, der auf
einer schmalen Nehrung
bis nach Cette fährt.“ H
FE
G
D Rouen
5./6.9. Epernay
1./2.9.
Dijon
18./19.9.
Luzern
Abfahrt 30.8
Ankunft 19.9
Clermont-
Ferrand
15./16.9.
Toulouse
11./12.9.
Bourdeaux
10./11.9.
Arles
13./14.9.
Abb. 9: Literaturkartographischer Entwurf mit Eckpunkten der 1886er Reiseroute Strindbergs
und der räumlichen Zuordnung von neun seiner Zugfensterblicke (im Text auch in englischer,
schwedischer und französischer Sprache — siehe Zugfensterblicke 1 /A, 4/B, 6/C, 11/E, 13/F,
14/G, 15/H, 16/I). Entwurf: Holger Helm, 2018; Ausführung: Martin Kollmann, 2021.
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Mobile Culture Studies, Band 2/2020
The Journal
- Titel
- >mcs_lab>
- Untertitel
- Mobile Culture Studies
- Band
- 2/2020
- Herausgeber
- Karl Franzens University Graz
- Ort
- Graz
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch, englisch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 270
- Kategorien
- Zeitschriften Mobile Culture Studies The Journal