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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847111658 – ISBN E-Lib: 9783737011655
Interpretaments der Schriftverfälschung (tahrif)möglich?Wie lässt sich Gottes Of-
fenbarung/Sendung in JesusausmuslimischerSichtverstehen?“14
DieseFragenweisenmeinesErachtensaufeinDesideratvonhoherreligiöserund
gesellschaftlicher Bedeutung hin. Ihre Erörterungbedarf einer breitenBeteili-
gung christlicher undmuslimsicher Theologinnen undTheologen, aber auch
jüdischer Gelehrter und säkularer Bürgerinnen und Bürger. Dafür sind Orte
eines freien Denkens notwendig, wie sie sich hoffentlich an Universitäten,
Akademien,BibliothekenundreligiösenInstitutionenweiterhinwerdenfinden
können,wenn sich diese als Teil desöffentlichenRaumsverstehen.Dies leitet
überzurFragenach interreligiösemDialogundöffentlichemRaum.
3. InterreligiöserDialogundöffentlicherRaum
InterreligiöserDialogistuntrennbarmitderFragenachdemöffentlichenRaum
verbunden.Er ist aufdieFörderungdesöffentlichenRaumesals einesgemein-
samgeteilten lebbarenRaumesangewiesen.
1)Öffentlicher Raum ist eine Sphäre, die grundsätzlich für alleMenschen
zugänglich ist undkeineZugangsbeschränkungenaufweist. Er ist jedochnicht
eine einfachhin verfĂĽgbare Ressource, sondern droht durch Privatisierung,
Kommerzialisierung undVirtualisierung zu erodieren. LängeresVerweilen ist
immeröfter anKonsumationgebunden, sodassman, betrittmandenöffentli-
chenRaum,alsbaldmitderDistinktionkonfrontiertwird,obmanamKonsum
teilnehmenkannodernicht.ManistdannimöffentlichenRaumnichtmehrals
freier Bürger oder freie Bürgerin repräsentiert, sondern als Konsument oder
Konsumentin. Klassische öffentliche Institutionenwie etwa die Post wandern
vonzentralgelegenenöffentlichenGebäudenausinSupermärkte,wosiesichals
Post-Shops privaten Gewerbebetrieben angleichen. Ihre ehemaligen Gebäude
werdenvonBankenodergroĂźenKonzernenĂĽbernommenoderstehenleer.Eine
Vielzahl vonVeranstaltungen führt einerseits zurBelebungöffentlicherPlätze,
schränkt aber andererseits ihre vorher offeneNutzung oft auf eine bestimmte
Weise der Verwendung ein und unterstellt sie nicht selten demprivaten öko-
nomischenKalkül. InwieferndasEntstehenvirtuellerSphären,dieselbstfreilich
auchöffentlichenCharakterhabenkönnen, zueinerVerarmungdesLebensan
realen,nichtaustauschbarenOrten fĂĽhrt, ist zudiskutieren.
14 Die Fragestellungen sind demProjekt „Gottes doppelte Sendung – Jesus undKoran“ ent-
nommen, andemnebendemAutordieser ZeilenKurtAppelundWolfgangTreitler (Uni-
versitätWien),MouhanadKhorchideundDina elOmari (UniversitätMünster) sowie Isa-
bellaGuanzini (KatholischeUniversitätLinz)beteiligt sind.
JakobHelmutDeibl166
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Titel
- Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
- Untertitel
- Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Autoren
- Irene Klissenbauer
- Franz Gassner
- Petra Steinmair-Pösel
- Herausgeber
- Peter G. Kirchschläger
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Ort
- Wien
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1165-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 722
- Kategorie
- Recht und Politik