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Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben - BeitrÀge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen ISBN Print: 9783847111658 – ISBN E-Lib: 9783737011655 vonStaatundKirchezuentfernen.4 IhreForderungnacheinemAbschiedvom Kreuz entspricht einem schleichenden Akzeptanzverlust des Christentums in denspĂ€tmodernenGesellschaftenWesteuropas,derdurchdieskandalösenFĂ€lle von sexuellemMissbrauch durch Priester, Bischöfe und KardinĂ€le sowie die systemischeVertuschungdieserDeliktenocheinmal einenzusĂ€tzlichenSchub erhalten hat. Auch ist klar, dass Lehrende und Studierende an derUniversitĂ€t Wien unterschiedliche religiöseÜberzeugungen undweltanschauliche Orien- tierungenmitbringen.NichtnurAgnostikerundbekennendeAtheistendĂŒrften Schwierigkeitenmit demKreuz haben. Auch fĂŒr Juden undMuslime ist das KreuzeinambivalentesSymbol,wieeinehistorisch sensibilisierteund interre- ligiös ausgerichteteTheologienichtbestreitenwird. ImkulturellenGedĂ€chtnis der Judenhallt derGottesmordvorwurf, der erstmals vonMelitovonSardes in derMitte des 2. Jahrhunderts5 erhobenwurde, bis heute nach, und imkollek- tiven Erinnerungshaushalt der Muslime sind die KreuzzĂŒge des Mittelalters nochimmerprĂ€sent.DieEntscheidungderUniversitĂ€tsleitung,gegenĂŒberallen ReligionenundWeltanschauungeneineHaltungderÄquidistanzeinzunehmen, erschienvordiesemHintergrundnachvollziehbar. Dennoch bleibt Unbehagen. Das Kreuz ist das zentrale Symbol des Chris- tentums, der akademischen Theologie an den staatlichenUniversitĂ€ten ist es aufgegeben, den Ereigniszusammenhang von Leben, Tod und Auferweckung JesuvordemHintergrundkritischerAnfragendeutendzuerschließenunddie humanisierende Kraft dermemoria passionis in Erinnerung zu rufen. Daran erinnertdasZeichendesKreuzes indenHörsĂ€lenderTheologie.Die ineinigen europĂ€ischenLĂ€ndernkontroversdiskutierte Frage, obKreuze inKlassenzim- mernangebrachtwerdendĂŒrfenodernicht,hatderEuropĂ€ischeGerichtshoffĂŒr Menschenrechte imMĂ€rz 2011demErmessensspielraumdes jeweiligenUnter- zeichnerstaatesderEuropĂ€ischenMenschenrechtskonventionĂŒberlassen,dabei aber festgestellt, dasKreuz sei „einpassives Symbol“.Österreichische Juristen mögenbeurteilen, ob sichdiesesUrteil analog aufHörsĂ€le an staatlichenUni- versitĂ€tenĂŒbertragen lĂ€sst. Das Prinzip derReligionsfreiheitmĂŒsste in jedem Fall gewahrtbleiben.Eskannnichtdie staatlicheAutoritĂ€t sein, diedenRaum mit christlichenSymbolenausstattet.Allenfalls ist esmöglich, dass siederka- tholischenTheologiedieseMöglichkeitgewĂ€hrt.DieserWegaberwurdeinWien nicht beschritten, obwohl er der Freundschaftsklausel imArtikel 22 des Kon- 4 Auf dieser Linie konnte derKommentar vonDietmarNeuwirth, Kaumzu glauben. Bis vor Kurzemgab es anderUniWienKreuze anderWand. Jetzt sind sieweg, in:Die Presse am 25.02.2018, gelesenwerden.DazumeineReplik: Jan-Heiner TĂŒck,UniWienohneKreuze: SindRektorensakrosankt?, in:DiePresseam01.03.2018. 5 Vgl.dazumeinenVersuch: Jan-HeinerTĂŒck,Gottesmord?DiePaschahomiliedesMelitovon Sardes,in:IKaZCommunio47/2018,S. 200–205,sowieHansjörgaufderMauer,DieOsterfeier inderaltenKirche,ausdemNachlasshrsg.vonR.MeßnerundW.G.Schöpf,MĂŒnster2003. Jan-HeinerTĂŒck434 Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben BeitrÀge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
Titel
Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
Untertitel
BeitrÀge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
Autoren
Irene Klissenbauer
Franz Gassner
Petra Steinmair-Pösel
Herausgeber
Peter G. KirchschlÀger
Verlag
Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
Ort
Wien
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-7370-1165-5
Abmessungen
15.5 x 23.2 cm
Seiten
722
Kategorie
Recht und Politik
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