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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847111658 – ISBN E-Lib: 9783737011655
schiedlicher InteressenundVerteilungsproblemenzutunhat.SowohlMargaret
Thatchers„Thereisnoalternative“alsauchdieRedevonder„marktkonformen
Demokratie“unterschlagen,dasses fast immerpolitischeAlternativengibt,die
sich inderVerteilungderVorteile unterscheiden.Womöglich ist dieser blinde
Fleck des Liberalismus einer derGründe für die Schmitt-Renaissance unddie
mittlerweilediagnostizierte „KrisedesLiberalismus“.
DieHauptschwierigkeitdesMainstreamsmiteinemPopulismus,derineinem
Schmitt-Politik-Framingoperiert, erschließt sich jedochdurch eine Leerstelle,
die speziell ausökonomischerSicht schockierenderscheint: dasvölligeFehlen
der Idee, dassPolitik systematischauf einebestimmteArt vonProblemenund
derenLösungbezogenist.Wirfindendiesdeshalbsoschockierend,weilsichdies
als unentbehrliche Leitidee für Gestaltungsprobleme modernerWirtschaften
erwiesenhat. Sie ist GrundlagewirtschaftswissenschaftlicherAnalysen zuPo-
litik, Staat und öffentlichemSektor: Staat und Politik sind demnach dazu da,
Probleme zu lösen. Probleme, die derMarkt nicht lösen kann, teils, weil die
Lösungnur auf kollektiver Ebenemöglich ist, teils, weil diese Lösung zwar im
gemeinsamenInteresse ist, jedochauch Interessenskonfliktebeinhaltet,dienicht
inVertragsbeziehungen zumallseitigenVorteil aufgelöstwerdenkönnen. Eine
derartigeProblemlösungsdimensionvonPolitikwirdaufdenüber80Seitenvon
DerBegriffdesPolitischennichteinmal ineinerFußnote inErwägunggezogen.
DieheutigenPopulistenkönnenselbstverständlichobjektiveProblemenicht
komplett ignorieren.Bezeichnendist jedoch,dassderProblemlösungshorizont
aufzweiArtenmarginalisiertwird:DurchaktiveProblemleugnungwieimFalle
des anthropogenenKlimawandels einerseits und andererseits durchbuntePa-
letten widersprüchlicher „Lösungsansätze“, aus denen sich jeder nach Gusto
etwas aussuchen kann. Dass diese Lösungen hinten und vorne nicht zusam-
menpassen, da sie von ultraliberalen Privatisierungsideen bis zu ultraprotek-
tionistischerRegulierungreichen, störtpolitischnicht imGeringsten–solange
mansichnicht improblemorientiertenFramingbefindet.
Das Lebenselixier des Populismus ist die wirksame Verankerung eines
Freund-Feind-Gegensatzes, der die Problem-Lösungsdimension von Politik
überblendet. Solangeman sich imSchmitt’schenKoordinatensystemdesPoli-
tischen befindet, geht der Vorwurfmangelnder Lösungskompetenz ins Leere.
Politik dient Schmitt zufolge eben nicht primär der Lösung spezifischer Pro-
bleme, sondern der Abarbeitung anthropologisch grundierter Antriebe. In
diesemSinnbetonter,dass„alleechtenpolitischenTheoriendenMenschenals
,böse‘ voraussetzen, […] als gefährliches und dynamisches Wesen“3. Denn:
Wenn die Sphäre des Politischen von der Freund-Feind-Unterscheidung be-
stimmt ist, „könnenpolitische […]Gedankengängenicht gut einen anthropo-
3 Ebd., S. 61.
SozialeGerechtigkeitundpopulistischePolarisierung 507
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Titel
- Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
- Untertitel
- Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Autoren
- Irene Klissenbauer
- Franz Gassner
- Petra Steinmair-Pösel
- Herausgeber
- Peter G. Kirchschläger
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Ort
- Wien
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1165-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 722
- Kategorie
- Recht und Politik