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Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
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Seite - 114 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult

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4 SonderfallMozart Direkte Berührungspunkte zwischen Wolfgang Amadé Mozart und den Salzburger Stadtpfarrmu- sikanten sind bisher nicht bekannt, indirekte sehr wohl,wardochFranzJakobFreystädtler (1761–1841), der Sohn des langjährigen Stadtpfarrsängers und -chorregenten Johann JakobFreystädtler (um1720– 1787) seinFreundund später inWien auch sein Schü- ler.Mit dessenNachfolger als Stadtpfarrchorregent, Franz dePaula JosephWeindl (1743–1812), steht ei- ne heute imArchiv desKollegiatstiftes Tittmoning aufbewahrteAbschrift derTrinitatis-MesseKV167 in Zusammenhang , von derWalter Senn vermutet, sie gehe auf „einewohl vonMozart oder dessenVater durchgesehene Primärquelle zurück“61. Warum im Fall derTrinitatis-Messe jegliche authentischenAb- schriften fehlen, ist rätselhaft, dennderAnlass fürdie Komposition derMessewarwohl derDreifaltigkeits- sonntag, der an derMetropolitankirche alsFestum Pallii –worauf auch die Besetzungmit Trompeten hinweist – begangenwurde.Möglichwäre, dass die primäreQuelle nachAugsburg geschicktwurde und dort, wie einige andereWerke auch, imPrivatbesitz verschollen ist. Da JohannBaptistWeindl ab 1782 als Stadtpfarrsänger angestellt war, wäre es durchaus denkbar, dass er diese Quelle bei Leopold Mozart noch eingesehen hat. Auch von den beidenTantum ergo-Kompositionen KV142 undKV197wurden bisher keine authenti- schenAbschriften nachgewiesen, was umso bedauerli- cher ist, da autographeQuellen hierfür fehlen. In der SammlungDommusikarchiv existiert lediglich eine Abschrift von Franz Weindl und seinem Sohn Jo- hannBaptistWeindl. Da beide gemeinsamkopierten und JohannBaptistWeindl 1796 als Fünfzehnjähri- ger probeweise bei der Stadtpfarre als Sänger ange- stelltwurde, ist nicht anzunehmen, dass die Stimmen vor diesemZeitpunkt kopiert wurden. Den spätest- möglichenEntstehungszeitpunktmarkiertmit 1812 dasTodesjahr FranzWeindls. Bereits 1963 entdeckteRobertMünster in den er- haltenenBeständender ehemaligenBenediktinerabtei St. Veit bei Neumarkt an derRott Stimmen, die aus der Entstehungszeit derKomposition stammendürf- 61Senn,Walter: KritischerBericht zuSenn:NMA/Messen, Bd. 2, S. 7. ten.62 Auf eine weitere Quelle aus dem Salzburger Umfeld hatHildegardHermann-Schneider hingewie- sen:63 ImArchiv des Salzburger Franziskanerklosters hat sich unter der SignaturA-Sfr 73 eineAbschrift von KV 142 und KV 197 erhalten, auf deren Ti- telblatt sich der Schreiber verewigt hat: „Holl“ ist links unten zu lesen, und rechts unten deutenNoti- zen über die Zahl der verwendetenBögen darauf hin, dass der Schreiberwohl gegenBezahlung kopierte.64 Hermann-Schneider hatmit großer Sorgfalt versucht, diesen „Holl“ zu identifizieren65 – einNamekommt aber in ihrer Aufzählung nicht vor, und das ist der HoftrompeterundHofpaukerFranzXaverHoll (1757– 1799)66. Dieserwurde imJuli 1787 in derHofmusik- kapelle angestellt, kann alsowederWolfgangAmadé nochLeopoldMozart persönlich getroffenhaben.Wie die beidenWeindls kann er folglich nur von einer damals noch vorhandenen, eventuell authentischen Quelle abgeschrieben haben.Als er 1799 starb, ging seine „Sammlung von H: Michael Haydns Gradua- len,Messen und anderenWerken, dannmehrere[n] MozartischenMessen“67 zunächst an JudithBrunetti (geb. Lipp); nach deren bereits am 1. Jänner 1800 erfolgtemTodwurde die Sammlung vonHofmusik- kapellmeister LuigiGatti inVerwahrung genommen. Holl kommt als Schreiber unter denMusikalien des Dommusikarchivs nicht vor, wurde daher vermutlich nicht fürKopiaturen für den SalzburgerDomheran- gezogen, alsMitglied der Hofmusikkapelle hatte er aber–wieübrigensFranzundJohannBaptistWeindl auch, die neben ihrer Tätigkeit für die Stadtpfarre auchalsDomchoralistenaktivwaren–Zugangzuden Musikalien derMetropolitankirche.DieMöglichkeit, dass sich eineKopie von seinerHand erhalten haben 62Vgl.Münster,Robert: „Mozarts ‚Tantumergerl‘ KV142 undKV197“, in: ‚Ich bin hier sehr beliebt‘.Mozart und das kurfürstliche Bayern, Tutzing: Schneider 1993, S. 247–254; Münster,Robert: „DasTantumergoKV142 – eineBear- beitung nach JohannZach?“ in: ‚Ich bin hier sehr beliebt‘. Mozart und das kurfürstliche Bayern, Tutzing: Schneider 1993, S. 255–261. 63Hermann-Schneider,Hildegard: „KV142 und 197 oder Anh. C 3.04 und C 3.05? Zu Mozarts Autorschaft auf- grund einerHandschrift imFranziskanerkloster Salzburg“, in:Mozart-Studien, 18 (2009), S. 87–100. 64Vgl. ebd., S. 89. 65Ebd., S. 90,Anm. 12. 66Hintermaier:Die Salzburger Hofkapelle, S. 487. 67Salzburger Landesarchiv, HofratstestamenteB/23 undVer- lassaktNr. 430, zit. bei ebd., S. 53-54; vermutlich handelte es sich umdie übriggebliebenenBestände seinerKopisten- tätigkeit. 114
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Musik am Dom zu Salzburg Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Titel
Musik am Dom zu Salzburg
Untertitel
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Autoren
Eva Neumayr
Lars E. Laubhold
Ernst Hintermaier
Verlag
Hollitzer Verlag
Ort
Wien
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-99012-540-0
Abmessungen
21.0 x 30.2 cm
Seiten
432
Kategorie
Kunst und Kultur
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