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7 Der SalzburgerDomalsAusgangspunkt derVerbreitungmusikalischerQuellen
7.3 DieMusikbibliothek der
Benediktinerabtei
Einsiedeln (Schweiz)
DieMusikbibliothek desBenediktinerklostersMaria
Einsiedeln in der Schweiz verwahrt zahlreiche Ma-
nuskripte Salzburger Provenienz. Obwohl mehrere
Einzelstudien auf dieseTatsache hinweisen, war eine
vollständige undgenaueUntersuchungder Salzburger
Quellen inMariaEinsiedeln erst durchdie detaillierte
Erforschung derQuellen der SammlungDommusik-
archiv in Salzburg, insbesondere der vorkommenden
Schreiber undWasserzeichen,möglich.
Ausgangspunktwarenwiederdie ältestenBestands-
katalogederSalzburgerDommusik,Catalogus „Gatti“
undCatalogus „Archivium“. Die in diesenKatalogen
verzeichnetenKomponistennamen liefertendenersten
Anhaltspunkt zur Untersuchung des Einsiedler Be-
standes:AlleEinsiedlerQuellen,dieunterdemNamen
eines jenerKomponisten überliefert waren, wurden
auf ihremögliche Salzburger Provenienz überprüft.
Wiederumwurden zunächst das verwendetePapier
und die an derHerstellung beteiligten Schreiber iden-
tifiziert. Vor allem die in den Salzburger Archiven
dokumentiertenHauptschreiber des 18. Jahrhunderts,
wie Johann JakobRott (um 1682–1766),Maximili-
anRaab (um1720–1780), JosephRichardEstlinger
(1720–1791) undFelixHofstätter (1744–1814), aber
auch die Schriftzüge derKomponisten JohannErnst
Eberlin (1702–1762), Franz IgnazLipp (1718–1798)
undAntonFerdinandParis (1744–1809) sowie einige
namentlich nicht identifizierte Salzburger Kopisten
(Schreiber 112a, 165) sind in den Quellen der Mu-
sikbibliothek derBenediktinerabteiMariaEinsiedeln
in großer Zahl nachzuweisen. Insgesamt konnten 114
Konvolute SalzburgerProvenienz identifiziertwerden,
von denen zwei aus demKlosterMondsee, eines aus
derBenediktinerinnenabteiNonnberg und einMate-
rial vielleicht aus der Erzabtei St. Peter kommen, die
anderen 110Handschriften aber von der Salzburger
Dommusik oder aus derenUmfeld stammen.
Wurde bisher stets angenommen, dass die Salz-
burgerMusikalien imZuge der Sammlertätigkeit des
Benediktinerpaters SigismundKeller um1870 nach
Einsiedeln gelangten, somuss dies für einenTeil der Abschriften revidiert werden. Knapp 40 Einsiedler
Stimmenmaterialien vonWerkenAdlgassers, Eberlins
undMichael Haydns, deren Salzburger Provenienz
durchKomponisten, Schreiber undPapier eindeutig
erwiesen ist, dürftennicht aus demBestanddesDom-
musikarchivs stammen,weil die betreffendenWerke
dort entweder in vollständigen Stimmensätzen vorlie-
gen oder aber überhaupt nicht nachgewiesenwerden
können. Sie sind vermutlich über die 1824 vonEinsie-
deln angekauftenBestände der 1802 säkularisierten
ReichsabteiWeingarten in dieMusikbibliothek des
Klosters Einsiedeln gelangt.71
P. SigismundKellerOSB (1803–1882) kamEnde
der 60er-Jahre des 19. Jahrhunderts aus demBene-
diktinerklosterMaria Einsiedeln an dieBenediktiner-
abtei St. Peter in Salzburg. Laut Professbuch der
Benediktinerabtei Einsiedeln72warP. Sigismund vor-
her zunächst von 1825 bis 1833Lehrer amdortigen
Gymnasium und zugleich Vizekapellmeister. Nach-
dem er zwischen 1834 und 1837 bereits einmal den
kränkelnden P. Placidus Gmeinder als Kapellmeis-
ter vertreten hatte, wurde er 1846, nach demTod
AbtCölestinMüllers, anstelle des bisherigenKapell-
meisters P.AnselmSchubiger (1815–1888)mit dieser
Aufgabe betraut.DiesePhase dauerte nur kurz, denn
der „Sonderbundkrieg“ vom3. bis 29.November 1847
traf auch dieKirchenmusik inEinsiedeln:
„VondenMusikanten blieb nur noch ein
Altist Bucher von Zug und einHornist da.
Daher ist leicht zu begreifen, dass dieAuf-
führungen inderKirchewährenddieserZeit
nichtvongrosserBedeutungsind.Dieobigen
Ereignisse beraubten sogar die einsiedlische
Kapelle ihres Oberdirektors P. Sigismund,
welcher vor demKanonendonner so erschro-
cken zu sein schien, dass er über die Furka
unddenSimplonnachdemPiemontesischen
und von da nachBellenz flüchtete.“73
71Einsiedeln übernahmdamals ungefähr zweiDrittel derMusi-
kalienbestände vonWeingarten (freundlicheMitteilung von
P. LukasHelgOSB).Vgl.Neumayr/Laubhold: „DieQuel-
len der SalzburgerDommusik“;Hanke-Knaus,Gabriella:
„‚GanzeParthienMusikalien‘ –DerNotenbestand der ehe-
maligenReichsabteiWeingarten in derMusikibliothek der
BenediktinerabteiEinsiedeln“, in:OberschwäbischeKloster-
musik im europäischenKontext. Alexander Sumski zum 70.
Geburtstag, Frankfurt/Main: Peter Lang 2004, S. 89–129.
72Henggeler:Professbuch Einsiedeln, S. 490f.
73Kirchenmusikalische Aufzeichnungen (Signatur: CH-E,
925,6), zit. in:Helg, LukasOSB: „DieEinsiedlerKapell-
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Musik am Dom zu Salzburg
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Titel
- Musik am Dom zu Salzburg
- Untertitel
- Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Autoren
- Eva Neumayr
- Lars E. Laubhold
- Ernst Hintermaier
- Verlag
- Hollitzer Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-99012-540-0
- Abmessungen
- 21.0 x 30.2 cm
- Seiten
- 432
- Kategorie
- Kunst und Kultur