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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur
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Paolo Sanvito 202 Weise in der gelehrten Zeitschrift Memorie per servire all’istoria letteraria gelobt.6 Daran wird ersichtlich, dass Parma eine wichtige Rolle im Export des emilianischen maleri- schen Quadraturismus gen Süden, Westen und Norden, speziell aber nach Österreich spielte. Lenzi zufolge fand diese Malerei sogar eher in Parma als im barocken Rom Ver- breitung (»prima e altrimenti che nella Roma barocca«),7 weshalb Parma in ganz Italien herausstach. Der avantgardistischen Stellung Parmas im Bühnenbild entsprechend war auch die Konzeption der dortigen Theateranlage innovativ. Wenden wir uns daher kurz der Besonderheit der Gesamtanlage des Teatro Farnese zu. Die Anlage des Teatro Farnese Ausdruck der Gewagtheit der architektonischen Anlage (Abb.  2) ist in erster Linie ihre Größe. Die räumliche Dimension des Hauptsaales (Breite 32,16  m; Länge einschließlich Bühnenraum 87,22  m  [nur Zuschauerraum gut 50  m] und Höhe 22,67, mit einem bei- spiellos imposanten Sparren im Dachstuhl) blieben für Jahrhunderte unübertroffen. Un- beantwortet ist bislang die wichtige Frage, warum Ranuccio Aleotti zum Architekten bestimmte, der aus Argenta in der Romagna am damaligen Po-Delta südöstlich von Fer- rara stammte. Naheliegender wäre es gewesen, einen Architekten aus der Toskana (die Familie des Auftraggebers hatte zuvor u.  a. die Sangallo-Werkstatt beschäftigt) oder direkt aus der Emilia zu engagieren. Entscheidend für die Wahl dürften mit Sicherheit Aleottis große länderübergreifende Erfahrung im Theaterbau und sein Ruhm als spezialisierter Baumeister gewesen sein. 1605 hatte er die Errichtung des Teatro degli Intrepidi in Ferrara abgeschlossen (Abb.  3). Dieses hatte sich zum »centro istituzionale della vita culturale ferrarese« mit einer großen »produzione teatrale« und einem beachtlichen »ufficio di im- presariato e produzione« entwickelt.8 Aleotti hatte zudem in Parma 1616 für Ranuccio  I. ein Turnier organisiert, in dem er seine organisatorisch-logistischen Fähigkeiten unter Beweis stellen konnte. Es muss uns deshalb auch nicht verwundern, ihn hier in der Funk- tion des Festorganisators oder Intendanten zu sehen. Schließlich war er bereits in Ferrara als impresario in Erscheinung getreten. Es ist nicht ungewöhnlich, dass an den Höfen der Frühen Neuzeit der Architekt des Bühnenhauses zugleich wesentlich an der Inszenierung der Eröffnungsveranstaltung mitwirkte; deshalb war das Interesse des Hofes an Aleotti, der sich seit mindestens 1606 auf der Höhe seines Ruhms befand, wohl gerechtfertigt. Wie eine Beischrift auf Aleottis Präsentationszeichnung zeigt, die sich heute in der Göttinger Universitätssammlung in einem Sammelband von Johann Friedrich 6 Anonymus 1759, S.  119: »acconcia  […] per la miglior disposizione dei palchetti, è un’invenzione di Andrea Sighizzi«. 7 Lenzi 1980, S.  95. 8 Ciancarelli 1987, S.  42–43.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa Hof – Oper – Architektur
Titel
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Untertitel
Hof – Oper – Architektur
Autoren
Margret Scharrer
Heiko Laß
Herausgeber
Matthias Müller
Verlag
Heidelberg University Publishing
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-3-947732-36-4
Abmessungen
19.3 x 26.0 cm
Seiten
618
Schlagwörter
Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
Kategorie
Kunst und Kultur
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