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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur
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Barockes Kulissen- und Maschinentheater 241 »Diese Art, das Meer darzustellen, scheint mir die beste der schon erwähnten zu sein. Um dies also zu tun, läßt man Zylinder herstellen, aus Brettleisten, welche nicht breiter als vier Zoll sind. Diese läßt man nach Art von Wellen sägen, und sie müssen genau so lang sein, wie das Meer sein soll. Die Stirnenden dieser Zylinder macht man aus sehr guten Brettern von anderthalben Fuß. Dann bringt man in jeder Stirnwand eine kleine eiserne Kurbel an, die einen Fuß lang sein muß. Ist das Gesagte ausgeführt, so läßt man jene Zy- linder mit Leinwand verkleiden, die blau und schwarz bemalt ist, und an der Kante jeder Leiste wird sie silberfarbig getupft. Von diesen Zylindern kann man so viele machen, wie nötig sind, und sie werden gelagert auf zwei Balken, die ebenso lang sind, wie die Tiefe des Meeres betragen soll. An ihnen bringt man die Zylinder so an, daß sie mit ihren Kur- beln sich leicht über diesen Balken drehen. Es muß einer vom andern wenigstens einen Fuß entfernt sein; aber wenn zwischen ihnen Menschen herauskommen sollen, die an- scheinend aus dem Meere auftauchen, so müssen sie dem Bedürfnis entsprechend weiter voneinander entfernt stehen. Auch muß man aufpassen, daß besagte Balken, auf denen die Zylinder festgemacht sein sollen, ein wenig mehr als die Neigung der Bühne schräg stehen. Um dann die Bewegung des Meeres zu zeigen, stellt man einen Mann an jede Kurbel, aber so weit hinter die Szene zurück, daß er von den draußen Befindlichen nicht gesehen wird. Dann läßt man langsam von jedem seinen Zylinder drehen, und auf die Art scheint es wirklich, als ob das Meer sich bewegte.«34 Derartig detaillierte Angaben zur Konstruktion der Bühnenmaschinen, wie wir sie im gedruckten Handbuch Sabbattinis finden, stellen bis weit ins 17.  Jahrhundert eher die Ausnahme dar. Im deutschen Sprachraum ließ der Architekt und Ulmer Stadtbaumeis- ter Joseph Furttenbach der Ältere (1591–1667) seine in Italien gewonnenen Bühnener- fahrungen nicht nur in seine Traktate einfließen, sondern versuchte sie auch praktisch zu realisieren (Abb.  3  a–b).35 Im Allgemeinen hatten die Theaterarchitekten jedoch nur wenig Interesse daran, die technischen Raffinessen ihrer Bühnenmaschinen zu ver- raten, weil sie den intendierten Überraschungseffekt beim Publikum nicht gefährden wollten. Dies galt in besonderem Maße für den Bereich des höfischen Theaters, in dem die Fürsten szenisch und technisch besonders aufwändig gestaltete Theaterfeste nicht zuletzt auch dafür einsetzten, um die politische wie ökonomische Größe und Macht ihres jeweiligen Hofes unter Beweis zu stellen. Indem das technologische Knowhow der Hofkünstler geheim gehalten wurde, konnte man sowohl eine Art politischer Af- fektkontrolle über die Untertanen ausüben als auch mit anderen Höfen in Konkur- renz treten. Man veröffentlichte Festbeschreibungen und Libretti mit Szenenstichen, auf denen viele der optischen Effekte zu erkennen waren (Darstellungen von Him- mel und Hölle, Wolken- und Flugmaschinen, Blitze oder plötzlich aus der Versenkung 34 Vgl. Sabbattini–Flemming 1926, S.  243–244; S.  111: Illustration zu Kap.  XXIX. 35 Vgl. Furttenbach 1640, Furttenbach 1663; Furttenbach 1971; Furttenbach 2013; Berthold 1951; Hewitt 1958, S.  178–251; Reinking 1984; Lazardzig–Rössler 2016.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa Hof – Oper – Architektur
Titel
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Untertitel
Hof – Oper – Architektur
Autoren
Margret Scharrer
Heiko Laß
Herausgeber
Matthias Müller
Verlag
Heidelberg University Publishing
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-3-947732-36-4
Abmessungen
19.3 x 26.0 cm
Seiten
618
Schlagwörter
Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
Kategorie
Kunst und Kultur
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