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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur
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Carlos María Solare 348 Bewunderung und Beifall«17 aufgenommen worden seien, sind überhaupt keine Be- richte überliefert  – weder lobende noch kritische –, wie sie für andere vergleichbare höfische Aufführungen reichlich vorhanden sind. Offenbar wurde der herrschende Ge- schmack weit verfehlt. Das spanische Theater verfolgte ganz andere Wege als dieje- nigen, die in Italien zur Geburt der Oper als Wiederbelebung der antiken Tragödie geführt hatten. Diego Hurtado de Mendoza hatte La gloria de Niquea gerade deshalb gelobt, weil sie sich vom italienischen Geschmack distanzierte.18 Die damals typisch spanische Abneigung gegenüber jeglichen Neuerungen wurde mit Sicherheit dadurch verstärkt, dass diese Neuerung aus dem Ausland kam. Wie der Historiker John Elliott schreibt, war die spanische Gesellschaft »instinctively resistant to the very idea of ›innovation‹. When innovations were also foreign-inspired they became doubly de- testable.«19 So wurde allem Anschein nach der musikalische Versuch der Florentiner gleichsam totgeschwiegen. Calderón wird Hofdichter Nach dem Tod von Lope de Vega im Jahr 1635 trat Pedro Calderón de la Barca dessen Nachfolge als Hofdichter Philipps  IV. an. Zu seinen Aufgaben gehörte das Verfassen von fiestas mitológicas sowie die Mitwirkung an deren Inszenierung. Leider hat die sonst flächendeckend arbeitende Calderón-Forschung bis vor relativ kurzer Zeit gerade aufgrund des erwähnten Übermaßes an bühnentechnischen Effekten seine mythologi- schen Festspiele nicht ernstgenommen. Schon 1881 hatte Marcelino Menéndez Pelayo in Calderón y su teatro geschrieben: »En estas comedias mitológicas como en toda espe- cie de dramas de espectáculo, el poeta queda siempre en grado y en categoría inferior al maquinista y al pintor escenógrafo. Eran obras que se destinaban a solaz de los Reyes y de la corte, ora en el Palacio, ora en el Buen Retiro, y en las cuales más se atendía al prestigio de los ojos que a la lucha de los afectos y los caracteres, ni a la verdad de la expresión.«20 Nachfolgende Forschergenerationen machten sich diese Meinung ungeprüft zu ei- gen. Erst in den letzten Jahrzehnten ist die Tatsache zur Kenntnis genommen und ge- würdigt worden, dass Calderón sich genauso viel Mühe bei der Gestaltung seiner höfi- schen Stücke gegeben hat wie bei den autos sacramentales, die er Jahr für Jahr ebenfalls aufführte.21 Die Beschäftigung mit dem musikalischen Aspekt der fiestas mitológicas, 17 Whitaker 1984, S.  66. 18 »[…] desprecio más que imitación de los espectáculos antiguos, de que aun hoy Italia presume tanto de gentil.« Zit. nach Stein 1993, S.  203, Anm. 43. 19 Elliott 1986, S.  680. 20 Menéndez Pelayo 1910, S.  365–366. 21 Chapman 1954 war die erste Untersuchung, die sich der comedias mitológicas im Detail annahm.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa Hof – Oper – Architektur
Titel
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Untertitel
Hof – Oper – Architektur
Autoren
Margret Scharrer
Heiko Laß
Herausgeber
Matthias Müller
Verlag
Heidelberg University Publishing
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-3-947732-36-4
Abmessungen
19.3 x 26.0 cm
Seiten
618
Schlagwörter
Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
Kategorie
Kunst und Kultur
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