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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur
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Göttliche Inszenierungen – mythologische Festspiele am spanischen Hof im Goldenen Zeitalter 349 der für Calderón von wesentlicher Bedeutung war, ist noch neueren Datums.22 Sie wird durch die recht bruchstückhafte Überlieferung zusätzlich erschwert, denn der größte Teil der Aufführungsmaterialien ging beim Brand des Alcázar im Jahr 1731 und bei der Zerstörung des Schlosses Buen Retiro während der Napoleonischen Kriege verloren. Zwar wurden Calderóns Texte in verschiedenen zeitgenössischen Sammelbänden so- wie in Einzelausgaben gedruckt und sind auch in modernen Ausgaben leicht zugäng- lich. Andererseits gibt es kaum Werke, die in allen ihren konstitutiven Elementen  – Text, szenische Anweisungen, Bühnenbilder, Musik  – vollständig dokumentiert sind. El mayor encanto Amor (1635) Calderóns erste fiesta mitológica war El mayor encanto Amor. Dieses Stück, das die Ge- schichte von Odysseus und Circe behandelt, wurde im Juli 1635 in einer Freilichtauffüh- rung am Teich im Park des neuen Schlosses Buen Retiro produziert.23 Die ursprüngliche Idee für das Stück geht auf Cosimo Lotti zurück. In einem »memorandum« mit dem Titel La Circe beschreibt er die szenischen Effekte, die er sich für die Aufführung ausge- dacht hatte, in der Erwartung, dass Calderón sich daran halten möge (möglicherweise war er 1627 im Fall von La selva sin amor auch so vorgegangen).24 Calderón lehnte zwar Lottis Szenario zunächst mit der Begründung ab, dass »avnque está trazada con mucho ynjenio, la traza de ella no es representable por mirar mas a la ynbencion de las tramoyas que al gusto de la representacion«,25 aber er benutzte es als Grundlage für seine eigene Konzeption. Ein Vergleich von Lottis Szenario mit dem Stück, das Calderón letztendlich schrieb, zeigt unter anderem ein feineres Gespür für die Möglichkeiten der Musik seitens des Dramatikers. Während Lotti die Musik einfach verwenden zu wollen schien, um eine banale Untermalung szenischer Effekte zu bewerkstelligen oder um das unvermeidliche Geräusch der Maschinen zu überdecken, stehen Calderóns Ideen in der Tradition der comedia, die den größten Wert auf verosimilitud (Wahrscheinlichkeit) legte. So wird zum Beispiel die Ankunft von Odysseus’ Schiff von Trompeten begleitet, und eine Gruppe von Musikern tritt auf, um ihn und seine Gefährten mit einem Lied zu empfangen. Der Einsatz eines Schalmeien-Ensembles, der den Auftritt der Iris begleitet, 22 Das Standardwerk zur Musik im spanischen Theater des 17.  Jahrhunderts, das in dieser Arbeit schon mehrere Male erwähnt und zitiert wurde, ist Stein 1993. Die Publikation von Primärtexten in kritischen Editionen durch den GRISO (Grupo de Investigación Siglo de Oro) an der Universität von Navarra, das ICCMU (Instituto Complutense de Ciencias Musicales) in Madrid sowie der Kassler Verlag Reichen- berger seien an dieser Stelle erwähnt. 23 Dies war eines der Stücke, die August Wilhelm Schlegel 1803 in den ersten Band seiner Anthologie des spanischen Theaters aufnahm. Goethe war davon »entzückt« und hielt es für dasjenige unter ihnen, das am ehesten wiederaufgeführt werden könnte. Vgl. Steiger 1986, S.  355. 24 Lottis Memorandum ist abgedruckt in: Calderón de la Barca 1944. 25 Rouanet 1899, S.  197–198.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa Hof – Oper – Architektur
Titel
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Untertitel
Hof – Oper – Architektur
Autoren
Margret Scharrer
Heiko Laß
Herausgeber
Matthias Müller
Verlag
Heidelberg University Publishing
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-3-947732-36-4
Abmessungen
19.3 x 26.0 cm
Seiten
618
Schlagwörter
Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
Kategorie
Kunst und Kultur
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