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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur
Seite - 353 -
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Göttliche Inszenierungen – mythologische Festspiele am spanischen Hof im Goldenen Zeitalter 353 Regieanweisungen explizit »Uno canta y el otro recita«.35 Eine vergleichbare Szene befindet sich in Fortunas de Andrómeda y Perseo; darin reden Mercurio und Palas auf Perseo ein und geben ihm die Waffen, mit dem er die ihm auferlegten Aufgaben voll- bringen wird. Die Partitur zeigt, dass auch in diesem Fall die Götter zu singen haben; der letzte Refrain wird von beiden zweistimmig vorgetragen, während die Antworten von Perseo gesprochen werden. Eine dritte Kategorie von Vokalmusik bilden die mehrstimmigen Lieder, die als Chorrefrains fungieren und die verschiedenen Szenen umrahmen. Sie sind der fan- tastischen oder übernatürlichen Welt zugeordnet. Im früheren Stück sind es die drei Parzen, im späteren die drei Furien; einmal sind es Sirenen und Tritonen, ein anderes Mal sind es Zyklopen, die in Vulkans Schmiede zur Begleitung ihrer eigenen Hammer- schläge singen.36 Ein hinter der Bühne platzierter Chor verkündet göttliche Nachrich- ten und Warnungen, die als Stichworte für die Monologe der Protagonisten fungieren.37 Schließlich kommen ebenfalls Stellen vor, in denen Menschen singen. Dabei handelt es sich  – gemäß der comedia-Tradition  – um diegetische Musik, die von der Handlung mo- tiviert wird. Dem Usus entsprechend, greift Calderón hierfür auf bereits vorhandene, dem Publikum bekannte Liedtexte zurück.38 Nach diesem Überblick über die Vielfalt der musikalischen Gestaltung der comedias mitológicas, folgen zum Abschluss einige Beispiele für das enorme Können, das Baccio del Bianco für deren Inszenierung eingesetzt hat. Die Schluss-Szene des ersten Aktes von Andrómeda y Perseo endete mit dem Fall der Halbgöttin Discordia auf die Erde. Sie und Pallas hingen hoch in der Luft und kämpften miteinander zu den Streichertönen einer »batalla«.39 Zum Schluss musste die Darstellerin der Discordia hinunterspringen und durch eine Versenkung (escotillón) verschwinden. In einem seiner Briefe dankt Baccio Gott, »che ci ha posto le sue mani, a fare che quella povera muciacia  […] non abbia rotto il collo, perché cadeva da alto circa 18 braccia delle nostre con tutta velocità«.40 Die drei Schauspielerinnen, die die Musik, Poesie und Malerei allegorisch darstell- ten, erschienen am Anfang der Aufführung vor dem noch geschlossenen Vorhang auf Maschinen, die als Wolken dekoriert waren. Im Laufe der ersten Szene bewegten sich diese drei Maschinen auf einander zu, so dass sie am Ende zu einer einzigen Wolke verschmolzen, die zusammen mit dem sich hebenden Vorhang aus dem Blickfeld der 35 Calderón de la Barca o.J., S.  124–26. 36 »[…] los golpes de el martillo, a cuyo compás y sonido, sin más instrumento, cantavan repetidas vezes.« Ebd., S.  67. 37 Zum  Beispiel ebd., S.  106 u. 168–169. 38 Vgl. Stein 1993, S.  142–143. 39 »[…] se vieron en el ayre pendientes (de tan disimulado artificio que apenas la más perspicaz atención le percibía) Palas y la Discordia, luchando abraçadas; a son de vna batalla que tocauan los violones  […]« Calderón de la Barca 1994, S.  84. 40 Bacci 1963, S.  71.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa Hof – Oper – Architektur
Titel
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Untertitel
Hof – Oper – Architektur
Autoren
Margret Scharrer
Heiko Laß
Herausgeber
Matthias Müller
Verlag
Heidelberg University Publishing
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-3-947732-36-4
Abmessungen
19.3 x 26.0 cm
Seiten
618
Schlagwörter
Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
Kategorie
Kunst und Kultur
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