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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur
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Elisabeth Hilscher, Anna Mader-Kratky 462 andere bedeutende Gäste Zutritt hatten«,4 und den sogenannten Kammerfesten, Festen mit eingeschränktem Zutritt und eher ›privatem‹ Charakter für die kaiserliche Familie. Andrea Sommer-Mathis weist darauf hin, dass diese Beschränkung »nicht immer nur mit der Dimension des jeweiligen Spielortes oder dem Charakter der Festveranstaltung zu tun«5 hatte, sondern oft auch Mittel zur Vermeidung zeremonieller Interessenskolli- sionen war. Dadurch wird auch verständlich, warum Fragen des Zutritts, des Vortritts und der Sitzordnung ausgiebig in den Zeremonialprotokollen diskutiert und erläutert wurden und Pattsituationen oft nur durch Spitzfindigkeiten gelöst werden konnten.6 Den ranghöchsten Personen standen selbstverständlich die Plätze mit der besten Sicht auf die Bühne und mit exquisiter Ausstattung zu: So saßen sie auf einem Podest (meist mit einem kostbaren Teppich bedeckt) auf Lehnstühlen mit Armlehnen und eine Stufe niedrigere Personen auf Lehnstühlen ohne Armlehnen, jedoch eventuell noch auf dem Podest. Hohe Gäste und hohe Hofämter wurden auf Bänken platziert, die meisten mussten jedoch stehen. Der ranghöchste Platz befand sich somit genau im Brennpunkt der zentralperspektivisch gestalteten Operndekoration7  – als Symbol für den Herrscher, um den Hof und Herrschaft kreisen wie die Planeten um die Sonne.8 Diese Zeremonial-Sitzordnung, die den Herrscher  /  die Herrscherin sowohl im Fokus der Bühnenperspektive wie des Zuschauerraumes (d.  h. der Hofgesellschaft) platzierte und Bühnenhandlung wie »Handlung« im Parterre noble an der Achse des Bühnenpor- tals gespiegelt wissen wollte, wurde erstmals für die Aufführung von L’inganno d’amore anlässlich der Krönung von Ferdinand  IV. 1653 in Regensburg in den Zeremonialpro- tokollen festgehalten und ist auch deutlich in den bekannten Bildern zur Aufführung von Il pomo d’oro 1668 in Wien zu erkennen.9 Diese Sitzordnung der »höchsten Herrschaften« in der ersten Reihe mit dem Kaiser in der Mitte blieb auch in der Folge im Wesentlichen für alle in den Zeremonialproto- kollen verzeichneten Aufführungen unangefochten. Auch für Aufführungen in kleine- ren Räumen wie der Retirada wurde nach diesem Grundschema für die Sitzordnung vorgegangen, wobei die Zuschauermenge hier aufgrund des eingeschränkten Platzan- gebots stark schwankte, die besten Plätze aber mangels Logen und Rängen tatsächlich nur in der Mitte der ersten Reihe zu finden waren. 4 Sommer-Mathis 1995, S.  515. 5 Ebd. 6 Sommer-Mathis 1995 führt auf den Seiten 516–532 etliche Präzedenzfälle an, die mit zeremoniellen Finten entschärft werden mussten, damit aus Rangstreitigkeiten keine diplomatischen Verwicklungen wurden. 7 Ebd., S.  516. 8 Man denke an die oft zitierten Worte von Erasmus von Rotterdam: »Was Gott für das Weltall, was die Sonne für die Erde, was das Auge für den Körper, das muss der Fürst für den Staat sein.« Erasmus von Rotterdam, Fürstenerziehung, zitiert nach Stern 1986, S.  12. 9 Vgl. dazu den Beitrag von Susanne Rode-Breymann in diesem Band, S.  23.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa Hof – Oper – Architektur
Titel
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Untertitel
Hof – Oper – Architektur
Autoren
Margret Scharrer
Heiko Laß
Herausgeber
Matthias Müller
Verlag
Heidelberg University Publishing
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-3-947732-36-4
Abmessungen
19.3 x 26.0 cm
Seiten
618
Schlagwörter
Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
Kategorie
Kunst und Kultur
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