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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur
Seite - 533 -
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»Meisterstücke der Erfindung« und konkrete Wirklichkeit 533 Im Vorwort zu Amaltea, der letzten Oper, die zu ihrer Zeit im Markgräflichen Opern- haus zu sehen war, benennt Markgräfin Wilhelmine einem Resümee gleich, die Auf- gaben der Oper: »[…] Das Operntheater erfordert etwas Großes in dem Äußerlichen der Vorstellung. Die Augen und das Gemüthe müssen auf gleiche Weise gerührt wer- den; jene durch das Neue und durch das Wahre in der Nachahmung; dieses durch die Musick, und durch die Schilderung der verschiedenen Leidenschaften, die man auf- führt.  […].«45 Die postulierte Gleichberechtigung zwischen Musik, Gesang, Schauspiel auf der einen und der Bühnenausstattung auf der anderen Seite spiegelt Wilhelmines eigene Erfahrungen wider und ist gleichzeitig eine Reflexion der gängigen Praxis: der bildlichen Ausstattung der Bühne wurde mit Beginn der Opernentwicklung sofort ein breiter Raum gewährt. Die »Theatralarchitekten« gestalteten opulente, in ihrer Ar- chitektur übersteigerte Herrschaftsräume, die zugleich eine ideelle Verbindung zwi- schen dem Fürsten und dem Helden der Handlung herstellten. Sie sind Ausdruck des von Wilhelmine geforderten »Neue[n]«, Überraschenden auf der Bühne, dem auch die Bayreuther Bühnenbilder entsprochen haben. Wilhelmine selbst unterstreicht die Wertschätzung, die sie der visuellen Ausgestaltung der Oper entgegenbringt, noch ein- mal dadurch, dass sie für Amaltea gleich neun Verwandlungen festlegte. Am Beispiel der Bayreuther Bühnenbilder lässt sich darüber hinaus nachvollziehen, wie eng die Verzahnung zwischen dem Geschehen auf der Bühne und der Lebenswirklichkeit der Auftraggeber sein konnte. Für das Markgrafenpaar war es sicherlich reizvoll, in der so herausgehobenen Sphäre des Opernhauses im Musikdrama gleichsam sich selbst zu be- gegnen. Für die geladenen Gäste dagegen reichte die Präsenz der fürstlichen Herrschaft bis ins »Schauspiel« hinein, wie auch das »Wahre« von dem Wilhelmine spricht, damit überprüfbar wurde. Gestaltet wurden die Bühnenräume von Carlo Galli Bibiena, der sich einmal mehr in die von seiner Familie entwickelte Bildtradition hineinstellte und der zugleich bei aller eigenen Erfindungsfreude Anleihen in der fürstlichen Umgebung nahm, was neben dem künstlerischen Reiz die Erweiterung des imaginierten Raumes um eine nachvollziehbare realistische Komponente mit sich brachte. 45 Zitiert nach Krückmann 1998, Kat. Nr.  259.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa Hof – Oper – Architektur
Titel
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Untertitel
Hof – Oper – Architektur
Autoren
Margret Scharrer
Heiko Laß
Herausgeber
Matthias Müller
Verlag
Heidelberg University Publishing
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-3-947732-36-4
Abmessungen
19.3 x 26.0 cm
Seiten
618
Schlagwörter
Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
Kategorie
Kunst und Kultur
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