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Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern - Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
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Diskussion Zusammenfassung Wenn ein Mythos nicht bloß eine fehlerhafte Geschichte ist, sondern »eine emotional aufgeladeneNarration,diebestimmtehistorischeSachverhalte ›my- thisch liest‹, alsodieWirklichkeitnichtdenTatsachengemäß, sondern ineiner selektiven und stereotypisierten Weise interpretiert«66, darin aber aus Sicht seinerVerbreitendenkollektiveOrientierung fürWerte, IdeenundVerhaltens- weisen geben soll, dann lässt sich in Geschichtsschulbüchern durchaus ein Mythos erster Kreuzzug finden. Auch in den Schulbüchern zumNRW-Real- schullehrplanGeschichte(2011)kannmanübereilendeSelbstverständlichkeiten oder bewusste Autorenentscheidungen herausarbeiten, die der Kreuzzugsdar- stellungeineWendungvonder füreine späterkomplexereBeschäftigungoffen bleibenden Grundinformation zum verfestigten, wertenden und hier durch Abgrenzung identitätsstiftendenMythosgeben.Wir findenein stabilesKreuz- zugsnarrativmit folgendenElementen: einunverständliches »Gottwill es«der Kirche, einabzulehnendes »Massaker« in Jerusalem,die »Orientalisierung«als Anerkennung derÜberlegenheit der islamischen Zivilisation und »zeitgenös- sische«Kreuzzugskritik als Beleg fürdieBerechtigungdermodernenDistanz. Dabei bleiben damalige Logiken unbeachtet und aktuelle Interessen und Be- wertungenwerden indieVergangenheit getragen. Die gesellschaftspolitische Bedeutung ergibt sich aus dem Lob der convi- vencia immaurischenSpanienunddemNegativbildderKreuzzügeimBlickauf dieheutigenReligionsverhältnisse inDeutschland:EsgehtumToleranzunddie AblehnungvonGewalt imNamenderReligion.MitBlickaufden clashof civi- lisations ist dabei festzuhalten, dass diese Zusammenstellung weiter zurück- reicht als bis zum11.September. Obwohl imRealschullehrplan 1994 die The- meneinheitenzumChristentum, Islamund Judentumunterschiedenwurden67, haben die Schulbuchteams die Darstellung der drei Religionskulturen in der Regel in einemKapitel zusammengefasst oder sogar ineinander verschränkt. DasführtefastselbstverständlichzurFragenachdemaktuellenZusammenleben vonAngehörigenverschiedenerReligionen. WährendaberdieBefreiungvonal-Quds1187noch ineinzelnenarabischen 66 HeidiHein-Kircher, »Überlegungen zu einerTypologisierung vonpolitischenMythen aus historiographischerSicht–einVersuch«, in:dies.undHansHenningHahn(Hg.),Politische Mythen im 19. und 20. Jahrhundert in Mittel- und Osteuropa, Marburg: Herder, 2006, 407–424, 408. 67 RichtlinienundLehrplänefürdieRealschule inNRW.Geschichte,Frechen:Ritterbach,1994, 73:ChristentumalsKulturundpolitischeKraft,74:IslamalsKulturundpolitischeKraft,75: JudentumalsKulturundgesellschaftlicheKraft. HansjörgBiener152 Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY
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Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
Titel
Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern
Untertitel
Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
Autoren
Roland Bernhard
Susanne Grindel
Felix Hinz
Herausgeber
Christoph Kühberger
Verlag
Vandenhoeck & Ruprecht Verlage
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-7370-0686-6
Abmessungen
15.5 x 23.2 cm
Seiten
294
Kategorie
Lehrbücher
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