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Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern - Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
Seite - 178 -
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Bastion der Einheit von denWogen desWeltkriegs unbeeinflusst bleibt. Viel- mehrwerdenBezügeder Schweizmit demAuslandherausgearbeitet undEin- flüsse vonaussen aufgezeigt.Wiebei denDarstellungenzumErstenWeltkrieg werden diese Einflüsse jedoch nur punktuell als eventuelle Gefährdung der Neutralität gedeutet. Wie spiegeln sichnundie eingangs erwähntenKontroversenüberdieRolle derSchweiz imZweitenWeltkrieg indenLehrmitteldarstellungenwieder?Fünf Lehrmittel gehen namentlich darauf ein, wobei eines, das Lehrmittel, Hin- schauen und Nachfragen, sogar eigens zu dem Zweck konzipiert wurde, die neuenErkenntnisse zur Schweiz imZweitenWeltkrieg zuvermitteln.92 ImAb- schnitt »Geschichte kontrovers«machtdieses Lehrmittel dieDiskussionenum dieRollederSchweizimZweitenWeltkriegselbstzumThema.93Danebenfinden dieKontroversennoch invier weiteren Schulbüchernnamentlich Eingang. So heisstesimLehrmittelWeltgeschichteimBild9,esseienneueErkenntnisseüber den Goldhandel zwischen der Schweiz und demDeutschen Reich gewonnen worden,diedieSchweiz ineinmoralischfragwürdigesLicht rückten.»Wieweit […]diewirtschaftlichverständlicheBeziehungmiteinemskrupellosenRegime führen konnte, musste die Schweizer Bevölkerung in den letzten Jahren zur Kenntnisnehmen.Geschichtsforscher entdecktennämlich, dassnicht nurMa- schinenundKohle, sondernauchGoldgeliefertwurde.«UndeinigeAbschnitte weiter: »War es […] geraubtes Geld, dasDeutschland der Schweiz verkaufte? Machte sich die Schweiz derHehlerdienste schuldig, wenn sie nicht ernsthaft nachdessenUrsprung fragte?«94DasLehrmittelwirft dabeidieFragenachder Moral der Schweiz in denRaum, verpasst aber gleichzeitig eine tiefergehende Auseinandersetzungmit demThema, so etwa eine Diskussion der Frage, in- wieweit der Gold- und Devisenhandel mit den Nationalsozialisten mit der neutralen Position des Landes vereinbar sei. Auch wird die Frage nach der Herkunft des Goldes lediglich verklärend beantwortetmit demHinweis,man hätte »allgemeinwissenkönnen,dassdieGestapo inDeutschlandunddenbe- setztenGebietendieLeuteauspresste«95. DiesesBeispielwirftabschliessenddieFrageauf,wievielKritikamfrüheren Mythos der unbeteiligten Schweiz, wie viel Dekonstruktion tatsächlich in den heute verwendeten Lehrmitteln steckt. Die Analyse des hier vorliegenden Samples zeigt, dass grundsätzlich eineOffenheit für die Integrationkritischer Elemente besteht. So kommt etwa in zahlreichen Lehrmitteln die restriktive EinreisepolitikderSchweiz inBezugauf jüdischeFlüchtendezurSprache, dies 92 Bonhage u.a., Hinschauen und Nachfragen; Zur Entstehung des Lehrmittels: Gautschi, Geschichtslehrmittel, 182. 93 Bonhageu.a.,HinschauenundNachfragen, 62ff. 94 BühlerundUtz,Weltgeschichte imBild9, 118f. 95 Ebd., 119. JuliaThyroff178 Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY
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Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
Titel
Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern
Untertitel
Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
Autoren
Roland Bernhard
Susanne Grindel
Felix Hinz
Herausgeber
Christoph Kühberger
Verlag
Vandenhoeck & Ruprecht Verlage
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-7370-0686-6
Abmessungen
15.5 x 23.2 cm
Seiten
294
Kategorie
Lehrbücher
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