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Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern - Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
Seite - 180 -
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und statisch, bleibe »an einemOberflächenphänomen haften, das leicht my- thologisierbarwird«.98DieWeltkriegeimBesonderenwürdendabeithematisiert alseineZeit, indersichdieseNeutralitätzubewährenhatte.99Auchfürdashier betrachtete Sample gilt, dass der Begriff derNeutralität zwar hier undda ein- geworfen wird, allenfalls punktuell Verletzungen der Neutralität konstatiert, dabei aberkaumeinmaldie zugrunde liegendenPrämissen einerNeutralitäts- politik ausgeführt werden. Insofern ist Neutralität zwar ein fortwährend auf- tauchendes Schlagwort, bleibt konzeptionell jedoch imDunkeln, wird weder systematischerklärtnochinFragegestelltundbleibtdamitvondenLehrmitteln letztlichunangetastet. Angesichts diesesBefunds stellt sich erneut die eingangs formulierte Frage, wie sichLehrmittel in einemvonaussenangestossenenProzess derUmgestal- tung vonMythen verhalten. Bedienen sie sich eher der über Jahrzehnte tra- diertenMythenoderaberkritisierenundreflektierensiedieseaufBasisneuerer Erkenntnisse? Eine Antwort fällt schliesslich nicht eindeutig aus. Die in der Vergangenheit geführten öffentlichenDebattenüber die Rolle der Schweiz im ZweitenWeltkrieghabeneinerseits durchausEinzug indieneuerenLehrmittel gefundeninFormeinerRelativierungdesbekanntenMythosundErgänzungdes traditionellen Themenkanons, etwa um aussenwirtschaftliche Verflechtungen undFlüchtlingspolitik.Neu ist auch, dass dieDebatten selbst in einigenLehr- mittelnzumGegenstandwerdenundsogarpunktuelldieälterenMythenexplizit alsMythen benannt werden.100 ImGegenzug dazu sind traditionelle Themen, wieetwadiewehrhafteSchweiz,MobilmachungundR8duit,nichtgänzlichaus denLehrmitteln verschwunden, sondern inAnsätzen immer nochvorhanden. Auch lässt sich feststellen, dassNeutralität nachwie vor als Konzept von den Lehrmittelnnicht explizit benanntoder gar relativiertwird. Insofern lässt sich keine radikaleNeuausrichtung inderLehrmittellandschaft feststellen, sondern vielmehr ein pluralesNebeneinander von Elementen aus jahrzehntealtenMy- thenundAnsätzenzuderenDekonstruktion. Dieser Befund erscheint plausibel angesichts der Rolle, die Geschichtslehr- mittel in einerGesellschaft einnehmen.Einerseits sollen sieLernendenbeider Enkulturation in eine Gesellschaft behilflich sein, andererseits wird an Lehr- mittel in den letzten Jahren zunehmend auch die Forderung herangetragen, Geschichtsbewusstsein zu fördern.101 Innerhalb dieser teilweise gegenläufigen Anforderungenmüssen sichLehrmittel einpendeln.Ginge es ihnenausschliess- lichumdieFörderungvonIdentität, sowäredasunhinterfragteVerwendenund 98 Ebd., 232ff., 238, 258, 260,Zitat: 238. 99 Ebd., 232ff. 100 Meyeru.a.,DieSchweizund ihreGeschichte,143. 101 SoetwaGautschi,Geschichtslehrmittel, 181f. JuliaThyroff180 Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY
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Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
Titel
Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern
Untertitel
Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
Autoren
Roland Bernhard
Susanne Grindel
Felix Hinz
Herausgeber
Christoph Kühberger
Verlag
Vandenhoeck & Ruprecht Verlage
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-7370-0686-6
Abmessungen
15.5 x 23.2 cm
Seiten
294
Kategorie
Lehrbücher
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