Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Lehrbücher
Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern - Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
Seite - 194 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 194 - in Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern - Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag

Bild der Seite - 194 -

Bild der Seite - 194 - in Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern - Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag

Text der Seite - 194 -

schen fachdidaktische Lösungen in den 1950er Jahren vorschlug, hatte über JahrzehntenachhaltigeFolgen,diebisheutenichtüberwundensind: Esverfälschtnicht, sondernelementarisiertnur,wennwir statt ›DrittesReich‹Hitler- Reichsagen.Es istnichtunhistorischundgeschichtsfremd,wennwirdasVerständnis für dasÜberindividuelle dadurch zu erwecken suchen, daßwir es individualisieren, d.h. in stellvertretende Personen [die dasÜberindividuelle repräsentieren] versinn- bildlichenundvergegenwärtigen.50 NachRothwäre es seine»berechtigteDenkhilfe«,welche durchaus die Sachlage trifft, […] daß in einem stellvertretende Handelnden oder stellvertretendseineZeit repräsentierendenEinzelmenschendieganzeZeitgeschichte, derganzeobjektiveGehalt,denwirjeweilsmeinen,persönlichanschaulichundfaßbar wird.51 IndemerdenBlick auf die FragederLehrbarkeit reduziert, verkenntRoth aus heutiger Perspektivedie in späterenDiskussionen stets betontenunzulässigen und gebeugten narrativenVerkürzungen, die gerade in demhier diskutierten Fall Hitler zum alleinigen und allumfassenden Agens der Geschichte des Na- tionalsozialismusstilisieren. Die österreichischen Schulbücher waren lange Zeit ein Abbild dieser Ten- denzen, die ihreWurzeln – someine Interpretation– sowohl in fachlichen als auch fachdidaktischen Entwicklungssträngen hatten. Dies kann man in den Schulbüchernder1970er Jahreausmachen,diesichnachderEinschätzungvon ReinhardKrammerüberwiegendaufderselbenEbenebewegen: DieAlleinverantwortung für dieVerbrechen –dieVernichtung der Judenwurde zu- meist eher enpassant erwähnt –wurdeweiterhinAdolfHitler zugeschrieben, dessen Abneigung gegen alles ›Fremdrassige‹ unddessenHass auf das ›Weltjudentum‹ ›un- verkennbare Anzeichen eines schwergestörten Innenlebens‹ erkennen ließen. ›Ein- deutig pathologischeZüge‹ – so lautete derBefundder Schulbücher bei nähererBe- trachtung des Hitler’schen Charakters. Allenfalls einigeMänner, die Hitler um sich scharteunddie ebenfalls einenunheilvollenEinflußaufdasdeutscheVolkausübten, ›kalteFanatiker‹, vomEhrgeizGetriebene,ZynikerundPhantasten, (…)zwielichtige, mitunter kriminelle oder aus ihrer Bahn geworfene Existenzen träfe eine gewisse Mitschuld.52 50 HeinrichRoth,.KindundGeschichte. PsychologischeVoraussetzungendesGeschichtsunter- richts inderVolksschule,München:Kösel, 2.Auflage1958, 110. 51 Ebd. 52 ReinhardKrammer, »NationaleAmnesieunddieStrategiedesGeschichtsunterrichtes. Ein österreichischer Sachverhalt«, in: Christian Giordano u.a. (Hg.), Trugschlüsse und Um- deutungen.Multidisziplinäre Betrachtungen unbehaglicher Praktiken, Münster/Wien: Lit, 2009, 55–66, 57. ChristophKühberger194 Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY
zurück zum  Buch Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern - Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag"
Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
Titel
Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern
Untertitel
Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
Autoren
Roland Bernhard
Susanne Grindel
Felix Hinz
Herausgeber
Christoph Kühberger
Verlag
Vandenhoeck & Ruprecht Verlage
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-7370-0686-6
Abmessungen
15.5 x 23.2 cm
Seiten
294
Kategorie
Lehrbücher
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern