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Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern - Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
Seite - 269 -
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»[J]ahrhunderte hindurch hatten sich die beiden benachbartenVölker be- kämpft«14, heißt es in Schilderungen der Vorgeschichte des Vertrags, oder es werden, um dessen Notwendigkeit zu unterstreichen, »jahrhundertelang[er] […]HassundBlutvergießen […]«15betont.Die zahllosenTotendieserKriege ließensichdabeigewissermaßenalsdas»Opfer«interpretieren,derKriegalsder »Brudermord«, der (quasi in grauer Vorzeit) dem erlösenden friedlichen Zu- sammenlebenvoranging. Auch das laut Eliade zentrale Erzähl-Element der Bewährung einer Kultur- gesellschaftanentscheidendenPunktenihrerEntstehung lässt sichausmachen, denn dieVorgeschichte desVertragswird – ebenso regelmäßig wie die »jahr- hundertelange[n]Kriege«betontwerden–indenKontextderSaarabstimmung 1957/58, der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen der Bundesrepublik DeutschlandundFrankreichinderMontanunion,derWestintegrationdernoch jungenBundesrepublik sowie indenKontextderDiskussionüberdieWieder- bewaffnung der BRD eingeordnet, die jeweils als gelingende Schritte auf dem WegderneuenStaatswerdungdargestelltwerden. Undnicht zuletzt finden sich auch Elemente derMobilisierung für die Zu- kunft und (normative) Impulse für eine Identitätsbildung durch die sinnstif- tendeVerbindungzwischenVergangenheit,GegenwartundZukunft.Nichtnur, dassderPlys8e-Vertragals»Grundstein«füreine»dauerndeZusammenarbeit« und »gemeinsameFührungsrolle«16 (sic!) inEuropadargestellt wird, auchdie Jugend, d.h. die Adressatinnen und Adressaten der Schulbücher, sollen im Wissen um die Vergangenheit neue Perspektiven realisieren. Die Jugend als Hoffnungsträger, aufZukunftorientiert, soll denRichtungswechsel imDenken undHandelnfortführenundstabilisieren:»DeutschlandundFrankreichhaben in ihrerGeschichte vieleKriegegegeneinander geführt. SucheBeispiele indei- nemGeschichtsbuch!Verstehst du jetzt, daßdiedeutsch-französischeFreund- schaft, insbesonderederdeutsch-französische Jugendaustausch,mit allenMit- teln gefördertwerdenmuß?« lautet – imzweitenTeil recht suggestiv – einAr- beitsauftrag inErkundenundErkennenvon1969.17 Ähnlich formuliert auch 2002und2003nochBuchnersKolleg: »Begründen Sie,welcheBedeutung indiesemZusammenhangdie Jugendarbeithat«.18Sieht 14 GeschichteBand IV,NeuesteZeit, 126. 15 GeschichteundGeschehenA4, 196. 16 GeschichteundGeschehen10,AusgabeN,210. 17 ErkundenundErkennen.Geschichte3,Hannoveru.a.:HermannSchroedelVerlag,1969,160. Hervorhebung(kursiv)durchdieAutorin. 18 Vgl.DeutschlandunddieWeltnach1945, 177.DurchdieAuswahlderQuellenauszüge,die Hervorhebung derGründungdes deutsch-französischen Jugendwerks unddessenBedeu- tung für die Zukunft (z.B. durchAktivitätenwie verstärkten Schüleraustauschusw.)wird allerdings eine Sinnbildung imSinne einesGründungsmythos (mythe fondateur) nahege- legt. DerÉlysée-Vertragvon1963 269 Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY
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Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
Titel
Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern
Untertitel
Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
Autoren
Roland Bernhard
Susanne Grindel
Felix Hinz
Herausgeber
Christoph Kühberger
Verlag
Vandenhoeck & Ruprecht Verlage
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-7370-0686-6
Abmessungen
15.5 x 23.2 cm
Seiten
294
Kategorie
Lehrbücher
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