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Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern - Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
Seite - 275 -
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derEntwicklung imSaarland.DerPlys8e-Vertraggalt hier als einSchritt unter vielen, mit der Besonderheit, eine »dauernde[n] Aussöhnung« anzustreben.35 AuchMischformen beider Narrative lassen sich in den Schulgeschichtsbü- chern der 1980er Jahre finden. So wird der Abschluss des Vertrags 1984 in Geschichte – kennen und verstehen 10 für Bayerische Realschulen zwar dem Prozess der politischen Vertrauensgewinnung zwischen den europäischen Nachbarn zugeordnet, sprachlich bleibt jedoch der Duktus einermythischen Gründungserzählung erhalten, denn der Vertrag habe »die Freundschaft zwi- schendenbeidenStaaten […]besiegelt«.36 Hochinteressant ist die Veränderung der Darstellung in den Schulge- schichtsbüchern der 1990er Jahre, die die These von der Mythenbildung zu stützenvermagbzw. bestätigt: Erst jetzt taucht nämlichdasNarrativ »vonder ›Erbfeindschaft‹ zurFreundschaft« auf,wobeiderBegriff der »Erbfeindschaft« immerhin jeweils in Anführungszeichen steht.37 Trotzdem fallen die Bücher damit gewissermaßen hinter die Vereinbarungen von 1953 zurück, in denen Hermann Heimpel die Rede von der »Erbfeindschaft« ausdrücklich als »Zwangsvorstellung«bezeichnethat.38 Zugleich tritt der Kontext der europäischen Einigung in denVordergrund. DerPlys8e-VertragwirdalsBasisstrukturfürdieEUgesehen,ersteheamBeginn des europäischenEinigungsprozesses.Neu ist auchdieVerortungdesVertrags in den politischen Verhältnissen im Frankreich der Nachkriegszeit und der 1960er Jahre sowie die Betonung der Rolle de Gaulles für die »Aussöhnung« (Anführungszeichen sic!). Den Anstoß für diesen Prozess habe freilich Ade- 35 Soz.B. inGeschichte4NeuesteZeit(Realschulen),Bamberg:C.C.BuchnerVerlag,1984,142, undvöllig identisch inUnserWeg indieGegenwart4NeuesteZeit (Gymnasien),Bamberg: C.C. Buchner Verlag, 1984, 190. Diese Perspektive wird durch einen entsprechenden Ar- beitsauftragvertieft. 36 Geschichte – kennen und verstehen 10, 252;Geschichte heute (fürHauptschulen inNord- rhein-Westfalen), 9./10. Schuljahr, Hannover: Schroedel/Schoeningh Verlag, 1988, nimmt entsprechende Kontextualisierungen vor und stellt den Vertrag als Ergebnis einer Ent- wicklungdar, verwendet jedochauchnochpersonalisierendeElemente, indemderVertrag alsErgebnisauchderpersönlichenFreundschaft zwischenAdenauerunddeGaulledarge- stelltwird.Ebd., 178–179. 37 So bezeichnen etwaGeschichte undGeschehen 10, 209 sowieGeschichte 4G, 211, undGe- schichteundGeschehenA4, 196, denPlys8e-Vertragals »Endpunkt«der »Erbfeindschaft«. Auch in Zeitreise 4, 140, findet sich noch die Vokabel von der »Erbfeindschaft« (Anfüh- rungszeichen sic), alsAkteure treten aber nunmehrdieRegierungenbzw. die Staaten auf, nichtmehrAdenauerunddeGaullealleine.IndenBüchernder1990erJahrewirdderVertrag häufigals »EndederFeindschaft«bezeichnet. 38 Deutsch-französischeVereinbarungüber strittige Fragen europäischerGeschichte.Vorwort zurAusgabevon1958,3.EinsolchkritischerVerweis fehlt indenGeschichtsbüchernvöllig. Der einzige Hinwies auf eine Distanznahme sind die Anführungszeichen, die aber nicht erläutertwerden. DerÉlysée-Vertragvon1963 275 Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY
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Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
Titel
Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern
Untertitel
Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
Autoren
Roland Bernhard
Susanne Grindel
Felix Hinz
Herausgeber
Christoph Kühberger
Verlag
Vandenhoeck & Ruprecht Verlage
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-7370-0686-6
Abmessungen
15.5 x 23.2 cm
Seiten
294
Kategorie
Lehrbücher
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