Seite - 276 - in Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern - Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
Bild der Seite - 276 -
Text der Seite - 276 -
nauer gegeben, die Folgen seien insbesondere die staatliche Kooperation und
langfristigdie IntegrationEuropas.39
IndiesenDarstellungenspiegelnsichganzoffensichtlichdiepolitischenund
strukturellenVeränderungeninEuropaseit1989.DerVertragsei, soGeschichte
4G, indiesemZusammenhangzueinemSymbol gelungenerVölkerverständi-
gung geworden.40 Dementsprechend greifen Geschichte und Geschehen A 4
(1997)undZeitreise 4 (2001) zusätzlichdasDiktumvonderdeutsch-französi-
schenPartnerschaftals»MotordeseuropäischenEinigungsprozesses«41auf,bis
hinzurDarstellungdesVertrags als »Grundstein«dauernderZusammenarbeit
und einer »gemeinsame[n] Führungsrolle«42 der beiden Staaten in Europa.
Während Geschichte und Geschehen A 4 und Zeitreise 4 die Metapher vom
»Motor« gewissermaßen als Tatsachendarstellung in ihre Texte übernehmen,
wird inDaswaren Zeiten 4. Das kurze 20. Jahrhundert immerhin darauf hin-
gewiesen, dass es sich hierbei um eine Einschätzung des Historikers Edgar
Wolfrumhandelt, derdie engedeutsch-französischeZusammenarbeit als »Lo-
komotivedereuropäischen Integration«bezeichnethatte.43
In der Bemühung umDifferenzierung verschwindet die Vokabel der »Erb-
feindschaft« seitBeginnder2000er JahrewiederausdenBüchern,dafür findet
mandortdasErzählmuster44vomElys8e-Vertragals»Höhepunkt«derdeutsch-
französischenAnnäherungundderAussöhnungsbestrebungen.45
39 Vgl.z.B.erinnernundurteilenIV,159.Als»BeginneinerengenBindung«derbeidenStaaten
giltderVertrag inUnsereGeschichteBand4,FrankfurtamMain:VerlagMoritzDiesterweg,
2. ergänzteAuflage1991.
40 Geschichte4G, 211.
41 GeschichteundGeschehenA4, 196;Zeitreise 4, 140.DieMetapher vom»Motor«des euro-
päischenEinigungsprozessesgehtaufeineFormulierungundEinschätzungEdgarWolfrums
zurück, der vonder deutsch-französischenZusammenarbeit als der »Lokomotive der eu-
ropäischen Integration« sprach (zitiert nachDaswarenZeiten 4, 180), ein Zitat bzw. eine
Einschätzung,die sich indengenanntenBücherngewissermaßenalsTatsachendarstellung
imAutorentext findet.
42 GeschichteundGeschehen10,AusgabeN,210.
43 DaswarenZeiten4, 180.
44 ZumBegriff des »Erzählmusters« alsDenkfigur für dieKonstruktionhistorischerZusam-
menhänge vgl. Christine Pflüger, »Die Vermittlung von Erzählmustern und analytischen
Kategorien im Schulgeschichtsbuch«, in: Saskia Handro und Bernd Schönemann (Hg.),
Geschichtsdidaktische Schulbuchforschung, (Zeitgeschichte – Zeitverständnis Band16),
Berlin:LITVerlag, 2006, 67–85.
45 Soz.B.inDeutschlandunddieWeltnach1945,78,sowieinVonderTeilungzurEinheit,78.In
beidenheißt eswörtlich identisch: »[…]der enge Schulterschlussmit dem französischen
Staatspräsidenten Charles de Gaulle, der seinen Höhepunkt im deutsch-französischen
Freundschaftsvertrag von1963 fand«. Ebenso identisch findet sich in beidenBücherndie
Formulierung:»EineunheilvolleEpochewardamitzuEndegegangen, inder innerhalbvon
70 JahrenDeutsche und Franzosen drei Kriege gegeneinander geführt hatten«. Ebd., 182
bzw.184. Obwohl die Publikationen umDifferenziertheit bemüht sind, ist hier trotzdem
pauschalvon»Deutschen«und»Franzosen«dieRede.
ChristinePflüger276
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY
zurück zum
Buch Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern - Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag"
Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern
Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
- Titel
- Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern
- Untertitel
- Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
- Autoren
- Roland Bernhard
- Susanne Grindel
- Felix Hinz
- Herausgeber
- Christoph Kühberger
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht Verlage
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-0686-6
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 294
- Kategorie
- Lehrbücher