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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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druck. Durchs Vorzimmer schreitend, sah ich in einem großenWand- spiegel mein erregtes, doch auch ein wenig triumphierendes Gesicht, und einen Augenblick durchströmte mich das Gefühl der Höhe des Erreichten. Doch nur einen kurzen, knappen Augenblick lang! Von Schönbrunn fuhr ich in dieMilitärkanzlei, um artigkeitshalber Baron Bolfras, dem rangälteren Kameraden, meine Aufwartung zu machen. Im Korridor traf ich Krobatin, meinen nunmehrigen Stell- vertreter und ersten Sektionschef. Er war just an diesem Tage zum Inhaber eines Artillerieregimentes ernannt worden, teils als Anerken- nung seiner Leistungen, teils als Regreß dafür, daß er nicht an die Spitze der Kriegsverwaltung gestellt worden war. Ich begrüßte ihn herzlich. Inmeinerkameradschaftlichen Art, dieweichenStimmungen leicht zugänglich war, ersuchte ich ihn um seine treue Mitarbeit. Sachlich war er auch zweifelsohne ein tüchtiger und emsiger Mit- arbeiter. Treu jedoch blieb er nur seinen Aspirationen. Und ich glaube nicht fehlzugehen, wenn ich annehme, daß er schon in jenem Moment, im Gemach des Chefs der Militärkanzlei, die Zusicherung erhielt, er würde der nächste sein, er müsse nur warten. Das Glück, Krobatins schmiegsame Anpassungsfähigkeit, die Zwiespältigkeit meiner Lage und wohl auch mein wenig diplomatisches Draufgänger- tum ließen ihn dieses Ziel auch bald erreichen. Nachmittags empfing mich Franz Ferdinand, dem ich alle Einzel- heiten der Audienz berichten mußte und der nun seinerseits betonte, er hoffe, es werde mir gelingen, auch seine Anschauungen auf das deutlichste zur Geltung zu bringen. Weiters zeigte er mir eine schrift- liche Rechtsverwahrung gegen die anläßlich meiner Ernennung be- wirkte Titeländerung von ,,Reichskriegsminister" auf ,,Kriegsmini- ster". Dieses Schriftstück hatte zunächst den Zweck eines Protestes, da der Erzherzog von der Auffassung ausging, daß unter ,,Reich" nur die ,,Monarchie" verstanden werden dürfe. Danach wurde der Begriff ,,Reich" jenem des ,,Staates" überordnet, was für Österreich und für Ungarn zu gelten hatte. Ein Standpunkt, der von der unga- rischen staatsrechtlichen Auffassung durchaus perhorresziert wurde, weil die Ungarn stets nur von einem ,, gemeinsamen Minister" als Exponenten zweier vollständig paritätischer Staaten, beziehungs- weise Reiche, sprachen. Einen Uberbegriff erkannten sie absolut nicht an. Selbst nicht in der Person des gemeinsamen Monarchen, der nach ihrer Rechtsanschauung in Ungarn eben nur der eine Faktor der Gesetzgebung war, während der andere durch das souveräne Par- lament repräsentiert wurde. Wie sich dies in der Praxis gestaltet hätte, wenn Fraaz Ferdinand das Reichserbe übernommen hätte, ist die Frage. Jedenfalls wäre dies zu einem der wesentlichsten Rei- 152
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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