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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
Seite - 177 -
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Politik zu unterstützen. Am Beginn der Sitzung sprach er auch einige Worte in diesemSinne, doch so allgemein und farblos, daß sie effekt- los blieben. Auch sonst war die Stimmung frostig, namentlich sei- tens der ungarischen Minister, allen voran des Ministerpräsidenten Grafen Khuen-Hedervary, der mir grollte, weil er des Glaubens war, ich stünde mit der Opposition, der Unabhängigkeitsparteii), in Ver- bindung. Auch des Communiques wegen, das Conrads Rücktritt begleitet und die Gemüter in Ungarn sehr erregt hatte, war er mir gram. Da ich jedoch die Quelle, aus der jener Bericht geflossen, auch jetzt nicht preisgeben durfte, vermochte ich die Vorwürfe des Grafen nicht zurückzuweisen. Auch hütete ich mich, die Stimmung im Vor- hinein zu verderben. Dafür tat ichmeinMöglichstes, denHerren Kol- legen die Notwendigkeit der artilleristischen Ausgestaltung und die endliche Einführung des Flugwesens in den militärischen Dienst nach- zuweisen^). Beilage 3 An einem Beispiel legte ich dar, wie es uns völlig unmöglich wäre, bei einer etwaigen Konflagration mit Italien auch nur einen Schritt auf italienischem Boden vorzudringen ohne Niederwerfung mehrerer italienischer Grenzforts, was jedoch mit unserm damaligen Artillerie- park nie gelingen konnte. Bezüglich der Aeronautik wies ich nach, daß sich sämtliche Großstaaten damit ernstlich beschäftigten und sich des Besitzes mächtiger Flugparks erfreuten, während wir das Ganze doch mehr oder weniger alseinenSport ansahen, dem die reelle Basis für die militärische Auswertung noch fehlte. Die österreichi- schen Minister erklärten sich nach einigen prinzipiellen Rechtsver- wahrungen so halb und halb einverstanden. Wahrscheinlich aus Op- portunitätsrücksichten, denn sie ahnten wohl schon das ablehnende Votum ihrer ungarischen Kollegen, die auf dem popularitätsfördern- ^) In den Anfangswochen meiner ]Mipisterzeit, als ich noch im Hotel wohnte, suchte mich dort Graf Theodor Batthyany auf. Ein Wortführer der Unab- hängigkeitspartei, entwickelte er sein Programm bezüglich des Wehrgesetzes vom Standpunkte seiner Partei aus. Die mihtärische Seite entrollte er dabei weitaus richtiger als seine Kollegen von der Regierungspartei. Ich hörte ilm mit großem Interesse an, desgleichen seine Charakterisierung der führenden Persönlichkeiten, wobei er Tisza nichtmit Unrecht einen in der Wolle gefärbten Junker nannte. Diese Erörterimgen zu vernehmen, war mein gutes Recht, sogar meine PfUcht. Ein Minister, überdies ein gemeinsamer ^Minister, der sich krampfhaft an die just am Ruder befindliche Majoritätspartei klammerte, wäre nichts als ein Parteigänger gewesen, der von der Gnade und Ungnade dieser Partei abhinge. Ein ausführendes, aber kein führendes und regierendes Organ! Ich versprach nichts vmd sagte nichts zu. Dennoch wendete mir Bat- thyany seine Sjrmpathie zu, und tatsächlich wTirde ich von den oppositionellen Parteien Ungarns eigentHch nie, weder persönlich noch sachlich, angegriffen. -) Beüage 3 bringt einen Auszug des— sehr flüchtig geführt geweseneu Ministerrats-Protokolls . 12 Auffenberg 177
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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