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Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
Seite - 183 -
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Wien bot in jener 2Deit sowie in den nachfolgenden Vorkriegsjahren ein rauschendes Bild der Freude. Die Feste in den Salons der Ge- sellschaft überhasteten einander, außerdem gab es Veranstaltungen aller Art offiziellen und halboffiziellen Charakters und Wohltätig- keitsfeste in endloser Reihenfolge. Besonderen Schwung besaßen die Arrangements der Fürstin Pauline Mettemich, der Gräfin Mysa Wy- denbruck, überdies die charitativen Feste, die der Hochadel exklusiv in seinen Palästen gab. Die Patronessenbälle wurden stets von den kaiserlichen Prinzen ausgezeichnet. Die Erzherzoge Salvator und Friedrich waren Ballerzherzoge par excellence. Neben anderen jugendHchen Prinzen kam auch oft Karl Franz Josef, Noch ein wenig befangen, mit stets lächelndem Kindergesicht, viel jünger aussehend, als er tatsächUch war, glich er einem eben ausgemusterten Leutnant, der noch überall Sonnenschein sah. Er sprach mich jedes- mal an imd hielt mich lange fest. Ob mein ernstes, auf sachliche Dinge gestimmtes Gespräch— eigentlich war's meist eher ein Mono- log— dem überjugendlichen Sinn entsprach, weiß ich nicht. Erzherzogin Annunziata, die schlanke Äbtissin vom Hradschin, erschien stets aufdem IndustrieUenball, Erzherzogin Blanka bei mili- tärischen Festen. Einmal — am ersten Flottenvereinsball— trat Franz Ferdinand mit der Herzogin von Hohenberg als offizieller Protektor auf. Es war eine Sensation für Wien, ein Ärgernis für einen Teil der Hofgesellschaft. Franz Ferdinands morganatische Ge- mahlin spielte bei dieser Gelegenheit die veritable Erzherzogin, ge- noß die Ehren einer solchen, und man wollte vielfach in ihr doch nur die Gräfin Chotek sehen. Auf jenem Ball— es war der erste, den wir in Wien mitmachten— zeichnete das Erzherzogspaar ims, meine Frauund mich, auf das bemerkenswerteste aus. In der wieder- holten Ansprache lag ebenso viel Absichtlichkeit wie offensichtlich zur Schau getragene HerzUchkeit. Der Erzherzog wollte, daß es ge- sehen werde! In diesem ersten Jahre meiner Ministertätigkeit versammelten wir eine interessante Gesellschaft zu vier großen Diners in den strah- lenden Festsälen des KriegsministeriumSj das mm schon lange in eine Bank mit modern-banaler Fassade umgebaut ist: den Kardinal, Familien der Hocharistokratie, die Botschafter und Gesandten mit ihren Damen, die führenden Kreise und die militärische fine fleur der Residenz. Ein Abend vereinigte die fremdländischen Militär- attaches — en grande tenue —, ein exotisches, farbenfrohes Bild, die Vertreter der „eisernen Wehr" des ganzen Erdkreises im Hof- kriegsratssaal der großen Kaiserin Maria Theresia, derenThron noch da stand, wenngleich ihr Geist leider nicht mehr herrschte. Und ein 183
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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