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Wien bot in jener 2Deit sowie in den nachfolgenden Vorkriegsjahren
ein rauschendes Bild der Freude. Die Feste in den Salons der Ge-
sellschaft überhasteten einander, außerdem gab es Veranstaltungen
aller Art offiziellen und halboffiziellen Charakters und Wohltätig-
keitsfeste in endloser Reihenfolge. Besonderen Schwung besaßen die
Arrangements der Fürstin Pauline Mettemich, der Gräfin Mysa Wy-
denbruck, überdies die charitativen Feste, die der Hochadel exklusiv
in seinen Palästen gab. Die Patronessenbälle wurden stets von den
kaiserlichen Prinzen ausgezeichnet. Die Erzherzoge Salvator und
Friedrich waren Ballerzherzoge par excellence. Neben anderen
jugendHchen Prinzen kam auch oft Karl Franz Josef, Noch ein
wenig befangen, mit stets lächelndem Kindergesicht, viel jünger
aussehend, als er tatsächUch war, glich er einem eben ausgemusterten
Leutnant, der noch überall Sonnenschein sah. Er sprach mich jedes-
mal an imd hielt mich lange fest. Ob mein ernstes, auf sachliche
Dinge gestimmtes Gespräch— eigentlich war's meist eher ein Mono-
log— dem überjugendlichen Sinn entsprach, weiß ich nicht.
Erzherzogin Annunziata, die schlanke Äbtissin vom Hradschin,
erschien stets aufdem IndustrieUenball, Erzherzogin Blanka bei mili-
tärischen Festen. Einmal — am ersten Flottenvereinsball— trat
Franz Ferdinand mit der Herzogin von Hohenberg als offizieller
Protektor auf. Es war eine Sensation für Wien, ein Ärgernis für
einen Teil der Hofgesellschaft. Franz Ferdinands morganatische Ge-
mahlin spielte bei dieser Gelegenheit die veritable Erzherzogin, ge-
noß die Ehren einer solchen, und man wollte vielfach in ihr doch
nur die Gräfin Chotek sehen. Auf jenem Ball— es war der erste,
den wir in Wien mitmachten— zeichnete das Erzherzogspaar ims,
meine Frauund mich, auf das bemerkenswerteste aus. In der wieder-
holten Ansprache lag ebenso viel Absichtlichkeit wie offensichtlich
zur Schau getragene HerzUchkeit. Der Erzherzog wollte, daß es ge-
sehen werde!
In diesem ersten Jahre meiner Ministertätigkeit versammelten wir
eine interessante Gesellschaft zu vier großen Diners in den strah-
lenden Festsälen des KriegsministeriumSj das mm schon lange in
eine Bank mit modern-banaler Fassade umgebaut ist: den Kardinal,
Familien der Hocharistokratie, die Botschafter und Gesandten mit
ihren Damen, die führenden Kreise und die militärische fine fleur
der Residenz. Ein Abend vereinigte die fremdländischen Militär-
attaches — en grande tenue —, ein exotisches, farbenfrohes Bild,
die Vertreter der „eisernen Wehr" des ganzen Erdkreises im Hof-
kriegsratssaal der großen Kaiserin Maria Theresia, derenThron noch
da stand, wenngleich ihr Geist leider nicht mehr herrschte. Und ein
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Title
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Subtitle
- Eine Lebensschilderung
- Author
- Auffenberg von Komarów
- Publisher
- Drei Masken Verlag München
- Location
- München
- Date
- 1921
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.4 x 21.6 cm
- Pages
- 536
- Categories
- Geschichte Nach 1918