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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Schemua und ich taten unser Möglichstes, und schließlich erzielten wir bei den österreichischen Ministem den Erfolg der zögernd ge- währten Zustimmung für die Forderungen einer erhöhten Kriegs- bereitschaft, wahrscheinHch wieder nur in der sicheren Erwartung gegeben, daß die ungarischen Kollegen die notwendige Nackensteife gegen die I^ogik aufbringen würden. Darin täuschte man sich auch nicht, und allen voran war Finanzminister Teleszky jeghcher Ein- sicht unzugänglich, immer mit dem überlegenen Lächeln, „es sei doch nichts zu befürchten!" Das Schlußresultat war, daß ich mit Mühe eine Pauschalsumme von 2 Millionen für die Lösung der Un- teroffiziersfrage erreichte. Dann verHeßen die ungarischen Älinister in offen zur Schau getragener — die österreichischen j\Iinister in geheimer— Freude den Kampfplatz, woselbst sie wieder einmal den Sieg über den ,,Moloch" davongetragen hatten. Diesem „Sieg" wurde auch in den meisten Tagesblättern applaudiert. Wie armselig, nichtig, kaum den nächsten Augenblick überdauernd, solch ein Triumph in Wahrheit ist, darüber schrieb ich früher. Hier sei nur beigefügt, daß ich nicht um einen Heller übertreibe, wenn ich behaupte, daß die einmaligen Zinseszinsen der im Weltkriege vergebens verausgabten Milliarden mir damals genügt hätten, die Armee technisch avif einen derartigen Standpunkt zu bringen, daß sie jeglicher Eventualität vollkommen gewachsen gewesen wäre. Zu einer solchen wäre es aber dann vielleicht gar nichtgekommen ! Dies die Folgen unzeitgemäßer, beschränkter Knickerei in wichtigsten Belangen! Bei dieser Konferenz wies der Chef des Generalstabes in sehr tref- fender Weise auf den Umstand hin, daß unsererArmee eine zweite Linie vollkommen fehle. Als solche war ursprünglich— gleich wie in den meisten anderen Armeen — die Landwehr gedacht. Doch diese war im Laufe der letzten Dezennien gänzlich in die erste Linie gestellt worden, wofür seitens der Ungarn vornehmlich national- politische Motive gesprochen hatten. Für all die vielen Aufgaben, die aber— in ganz unausweichlicher Weise— der zweiten Linie er- wuchsen, wie namentHch der Besatzungs-und Etappendienst, mußte man auf die dritte Linie, auf den Landsturm greifen. Dieser stand aber der Hauptsache nach nur auf dem Papier. Wohl waren die Menschen (OffiziereundMannschaften) vorhanden, doch keineKadres und nur unzureichende Bekleidungs- und Ausrüstungssorten und nur alte Waffenbestände (Werndlgewehre). Ich konnte den iVusführungen desGeneralstabschefs nurwärmstensbeipflichten, doch— selbstwenn IVIittel vorhanden gewesen wären—keine Abhilfe schaffen, da alle or- ganisatorischen Verfügungen für den Landsturm ausschließHch in den Kompetenzkreis der beiden Landesverteidigungsminister gehörten. 197
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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