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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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stets auf eine nahe Zukunft, in der sich alles klären und bestens ordnen würde. Hinsichtlich der Boroevidaffäre war Franz Ferdinand ganz anderer Meinung als der Kaiser. Dem Monarchen darüber schrift- lichen Bericht erstattend, erhielt ich zu meinem Erstaunen die Wei- sung, auf die Ansicht des Erzherzogs prompt einzugehen. Später erfuhr ich, daß dem Kaiser auch dies als Fronde meinerseits vor- getäuscht wurde. Dann fuhr ich über Wien nach Rutzing zu meiner FamiHc, um daselbst bis zum Beginn der TirolerManöver zu verbleiben. Während dieses Aufenthaltes inspizierte ich die großen Pulverwerke und Mu- nitionsanlagen in Stein, wobei mir die Bevölkerung einen festHchen Empfang bereitete. Desgleichen wurde mir am Vorabend des i8. Au- gust von den Rutzing umgebenden Gemeinden ein Fackelzug zuteil, wobei Ansprachen mit patriotischem Refrain den feierhchen Schluß bildeten. Glaub' gern, daß Gemüter, die für derlei Manifestationen empfänglich sind, sich an der Macht berauschen. Ich fühlte stets nur deren ephemerenWert heraus. Und just auch diese patriotische Feier,— wie ephemer war sie! Sie fand 1912 im Herzogtum Krain statt — und just sechs Jahre später: S. H. S. stürmisch begrüßt! Von Rutzing reiste ich per Auto durchs Pustertal nach Toblach, sodann nach Riva am Gardasee, woselbst ich den Thronfolger er- wartete, unter dessen Augen die Manöver in Südtirol stattfinden sollten. Es waren herrHche Spätsommertage, die die wundervolle Gegend vergoldeten und besonders den sagenumwobenen Gardasee in ein märchenhaftes Licht tauchten. Nicht umsonst verlegt man Dantes „II paradiso" in jene Landschaft. Doch unmittelbar daneben entstand auch das „Inferno" dieses schaffenden Genius. Wahrlich, die grotesken Berg- und Felstrümmer, die die Abhänge des Monte Zugno bis an die von Ala nach Riva ziehende Talsenke bedecken, schreckhafte Gebilde, Zeugen katastrophaler Erdbeben und Fels- stürze, bieten der Phantasie grauenhaft großartige Gemälde, die der Dichterfürst des 14. Jahrhunderts für ewige Zeiten festgelegt hatte. Paradies und Hölle, Leben und Tod, wie nahe hegt dies übrigens in jedem Menschendasein beisammen, und wie trügerisch war auch hier das Bild des Friedens, darauf das Auge bückte. Im Unterbewußt- sein hatte man das Gefühl, daß die harmlosen Manöverschüsse, die nun durch die Täler rollen würden, bald ein Echo finden müßten, dem Tod und Verderben auf dem Fuße folgten. Die finstern Panzer- und Granitwerke hüben und drüben schrien es vöUig hinaus. Die Bewohner raunten sich's in beiden Sprachen zu. Der Ruf: „Hie Guelf— Hie Ghibellin" schwirrte durch die Lüfte. Nur in den Staats- kanzleien zu Wien und Berlin, sowie in den Parlamenten wollte man 199
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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