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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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der Gerechtigkeit, und es hätte meine dienstliche Autorität gewaltig erschüttern können. Daß das Wehrgesetz nach einem Jahr novelliert werden mußte, schadete den hierfür Ausgezeichneten in der Meinung desMonarchen keineswegs. Es dürfte ihm das Mißverhältnis zwischen Leistung undBelohnung nicht einmal zuBewußtsein gekommen sein! Nichtsdestoweniger war diese Abhärtungsmethode für mich fast ein Glück. Auf diese Weise wurde ich allmählich an Ungerechtigkeiten gewöhnt und nur so konnte ich dann jene Ungeheuerlichkeiten er- tragen, die in steigender Potenz immer von denselben Stellen gegen mich ausstrahlten. Der Thronfolger, mitdem ich den Vorfallam Manöverfeld besprach, zeigte sich ob der offensichtlichen Tendenz im höchsten Maße un- gehalten und streute in seiner imprdsiven Art die unverblümtesten Meinungsäußerungenum sich. Er kargte auch nicht mit den üblichen Versprechungen und Anweisungen für die Zukunft, wurde aber dann sofort wieder höchst sachlich, indem er mir die entschiedenste Stel- lungnahme anläßlich der Delegation empfahl. ,,Sie müssen raufen, raufen, raufen und alles unterkriegen!" war seine Schlußrekomman- dation. Ich konnte mich nicht enthalten, ihm zu sagen, daß jeglicher Kampf in dem Maße erschwert war, als der Welt so offenkundig ge- zeigt wurde, wie wenig ich auf den Rückhalt der obersten Potenzen im Staatswesen zu zählen hätte. An Kampfesfreude hatte es mir doch wahrlich niemals gefehlt. Vor Beginn der Delegation war noch das Schaustück des eucha- ristischen Kongresses zu absolvieren. Es bestand in einer großen, mit nichts zu vergleichenden Entfaltung kirchlicher Pracht und Macht. Letztere fand durch Kardinal Dr. Nagl, Fürsterzbischof von Wien, einenebenso geschickten alskonsequenten Vertreter. Inneuerer Zeit dürfte es kaum je vorgekommen sein, daß die unbedingte Au- torität, ja Superiorität der kirchlichen über die weltliche Gewalt so plastischen Ausdruck bekam, wie bei jener Gelegenheit. Alles mußte ihr und ihren Vertretern, dem päpstlichen Delegaten und dem Kar- dinal Nagl, huldigen, und als Apotheose war der von der Plattform des äußern Burgtores aus gespendete apostolische Segen gedacht, den der Monarch, alle Prinzen und Großen des Reiches kniend zu empfangen gehabt hätten. Doch, weiß Gott, der Himmel wollte es nicht und ließ unablässig einen kalten spätherbstlichen Sprühregen herniederrieseln, so daß dieser Kulminationspunkt nicht erreicht wer- den konnte. Anderseits hielt aber diese Wetterunbill die teils demut- voll gläubigen, teils neugierigen Wiener und die andern aus aUen christlichen Gauen zu Hunderttausenden herbeigeströmten Massen nicht ab, dem grandiosen Schaustück beizuwohnen. Als führender 202
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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