Page - 202 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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der Gerechtigkeit, und es hätte meine dienstliche Autorität gewaltig
erschüttern können. Daß das Wehrgesetz nach einem Jahr novelliert
werden mußte, schadete den hierfür Ausgezeichneten in der Meinung
desMonarchen keineswegs. Es dürfte ihm das Mißverhältnis zwischen
Leistung undBelohnung nicht einmal zuBewußtsein gekommen sein!
Nichtsdestoweniger war diese Abhärtungsmethode für mich fast ein
Glück. Auf diese Weise wurde ich allmählich an Ungerechtigkeiten
gewöhnt und nur so konnte ich dann jene Ungeheuerlichkeiten er-
tragen, die in steigender Potenz immer von denselben Stellen gegen
mich ausstrahlten.
Der Thronfolger, mitdem ich den Vorfallam Manöverfeld besprach,
zeigte sich ob der offensichtlichen Tendenz im höchsten Maße un-
gehalten und streute in seiner imprdsiven Art die unverblümtesten
Meinungsäußerungenum sich. Er kargte auch nicht mit den üblichen
Versprechungen und Anweisungen für die Zukunft, wurde aber dann
sofort wieder höchst sachlich, indem er mir die entschiedenste Stel-
lungnahme anläßlich der Delegation empfahl. ,,Sie müssen raufen,
raufen, raufen und alles unterkriegen!" war seine Schlußrekomman-
dation. Ich konnte mich nicht enthalten, ihm zu sagen, daß jeglicher
Kampf in dem Maße erschwert war, als der Welt so offenkundig ge-
zeigt wurde, wie wenig ich auf den Rückhalt der obersten Potenzen
im Staatswesen zu zählen hätte. An Kampfesfreude hatte es mir
doch wahrlich niemals gefehlt.
Vor Beginn der Delegation war noch das Schaustück des eucha-
ristischen Kongresses zu absolvieren. Es bestand in einer großen,
mit nichts zu vergleichenden Entfaltung kirchlicher Pracht und
Macht. Letztere fand durch Kardinal Dr. Nagl, Fürsterzbischof von
Wien, einenebenso geschickten alskonsequenten Vertreter. Inneuerer
Zeit dürfte es kaum je vorgekommen sein, daß die unbedingte Au-
torität, ja Superiorität der kirchlichen über die weltliche Gewalt so
plastischen Ausdruck bekam, wie bei jener Gelegenheit. Alles mußte
ihr und ihren Vertretern, dem päpstlichen Delegaten und dem Kar-
dinal Nagl, huldigen, und als Apotheose war der von der Plattform
des äußern Burgtores aus gespendete apostolische Segen gedacht,
den der Monarch, alle Prinzen und Großen des Reiches kniend zu
empfangen gehabt hätten. Doch, weiß Gott, der Himmel wollte es
nicht und ließ unablässig einen kalten spätherbstlichen Sprühregen
herniederrieseln, so daß dieser Kulminationspunkt nicht erreicht wer-
den konnte. Anderseits hielt aber diese Wetterunbill die teils demut-
voll gläubigen, teils neugierigen Wiener und die andern aus aUen
christlichen Gauen zu Hunderttausenden herbeigeströmten Massen
nicht ab, dem grandiosen Schaustück beizuwohnen. Als führender
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Title
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Subtitle
- Eine Lebensschilderung
- Author
- Auffenberg von Komarów
- Publisher
- Drei Masken Verlag München
- Location
- München
- Date
- 1921
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.4 x 21.6 cm
- Pages
- 536
- Categories
- Geschichte Nach 1918