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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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GeneralfeldmarschalldesZuges fungierteGeneralFürstSchönburg, der zu Pferd die langen Zeilen auf und ab ritt und die Marschordnung im Auge behielt. In diesem Zuge befanden sich alle Mitglieder der Dynastie, sämtliche Hof- und die vornehmlichsten Staatswürden- träger. Die Kämmerer und dieGeheimenRäte zuPferde ! Man denke sich bei strömendem Regen und eisigem Wind einen mehrstündigen Ritt ohne Mantel auf dem glitschnassen Stadtpflaster! Es war alles eher denn angenehm. Anderseits imponierte mir doch die Wirkung einer Idee, die imstande war, so viele Hunderttausende und speziell die Mächtigsten unter ihnen auf die Knie zu zwingen, ohne ihnen hierfür irgend etwas Greifbares zu bieten. Und auch dem Faiseur und Sieger in dieser Kraftprobe, Kardinal Nagl, mußte man die An- erkennung zollen, ganz gleich wie man über das Wesen der Sache denken mochte. Mit ihm verband ims— meine Frau und mich— übrigens hohe Wertschätzung, imd niemand war dann über meinen baldigen Sturz empörter als er. Am Tage des eucharistischen Kongresses wohnte ich einem Diner des päpstlichen Nuntius bei, das insofern sehr interessant war, als zwölf Kardinäle aus aUen Ländern der Welt zugezogen waren. Man hatte den Eindruck, einem päpstlichen Konklave zu assistieren.— Mitte September, noch vor Beginn der Delegationssession, meldete sich bei mir unser Militärattache bei der Konstantinopler Botschaft. Über die politische Situation, der ich großes Mißtrauen entgegen- brachte, befragt, gab der militärische Diplomat die beruhigendsten Versicherungen — zum mindesten für die nächste Zeit. Mein Hinweis auf die vielen bedrohlichen Momente, vor allem auf die enormen Rüstungskredite der christhchen Balkanstaaten, be- antwortete er mir dahin, daß seiner Überzeugung nach dies alles für eine ferne Zukunft bestimmt sei. Sollte aber trotzdem eine Komplikation eintreten, so gelte es als Gewißheit, daß die ver- jüngte Türkei alle ihre Gegner rasch niederwerfen würde. Übrigens hegte man auch auf der hiesigen türkischen Botschaft keinerlei Besorgnisse und teilte damit die Ansichten unserer Staatskanzlei. Solch ein poHtischer Aufsitzer war wohl kaum dagewesen! ,,Quem Dens perdere vult, dementat!" Und zweifelsohne war damals die Türkei von einem vollständigen Zusammenbruch auch nicht weit entfernt.— Doch jetzt — 1919— lebt die Türkei noch immer, wenngleich elend und kümmerHch, während die Großmacht Österreich-Ungarn jämmerlich zerfallen ist. Galt daher dieser klassische Spruch nicht in erster Linie der Monarchie? — 203
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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