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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Die beiden folgenden Delegationen erbrachten meine letzte Tätig- keit als Minister und gestalteten sich durch die politischen Begleit- erscheinungen besonders interessant und spannend. Vor allem möchte ich eine Bilanz meiner Position geben, in der ich in die Session eintrat. Die Passiva waren vorherrschend. Die offensichtliche kaiserliche Ungnade hatte sich im I^aufe des Jahres so potenziert, daß sie mir auch die Bundesgenossenschaft all jener Volkstribunen entzog, die aulischen Einflüssen zugängUch waren. Als Gegengewicht war allerdings die Gunst des Erzherzogs da, doch diese repräsentierte damals mehr den Schein als ein vollwichtiges Gegenstück. Einerseits wollte sich der Thronfolger zu dem Träger der Krone, der seine Anschauung so deuÜich kundgab, doch nicht ganz in Gegensatz stellen, anderseits erschienen ihm und seinen in- timen Beratern die Erfolge, die ich besonders in den ungarischen An- gelegenheiten mit so großer Mühe erkämpft hatte, noch immer zu gering. Um ihrem geheimen Wunsch: ,,Wiederkehr zur alten, kai- serlichen Armee" zu entsprechen, hätte ich Wunder wirken oder einen Staatsstreich riskieren müssen. Dazu fehlten mir aber Macht, Absicht und Wille. Die Stütze, die mir derErzherzog bot, war daher nicht voll als Aktivposten einzustellen. Ich wußte, daß von den beiden Delegationen die österreichische weder kalt noch warm sein würde, wenn man von den Sozialdemo- kraten absah, die prinzipiell alle Anforderungen und Maßnahmen bekämpfenwürden. Vondenandern Parteienwarenmir einigeStimm- führer, Dr. I>cher, Sustersid, Levicky, Isopescul-Grecul, dann aus grundsätzhchen Ursachen die meisten Mitglieder des Herrenhauses geneigt. Immerhin war ich überzeugt, daß sich für mich rüemand ereifern würde. Von der ungarischen Delegation konnte ich jedoch nur wenig Gutes erhoffen, wenn auch manche Anzeichen dafür spra- chen, daß die Weißglühhitze, die noch im Frühjahr geherrscht hatte, einen erheblichen Temperaturverlust erHtten hatte. Als Aktiva durfte ich mir eigentlich nur den einen Umstand in Rechnung stellen, daß ich für das Budget 1912 keinerlei Neuforderungen zu stellen brauchte, da solche schon im Ministerrate gefallen waren. Hierzu kam noch meine Annahme, daß man die äußere Situation doch endlich einmal begreifen würde. Die feierliche Eröffnung der Delegationstagung fand in gewohnter Weise statt. In der Thronrede klangen zum erstenmale ernstere Worte bezügUch der äußeren Situation. „Elektrische Spannungen, pohtisches Wetterleuchten" u. a. Trotzdem hätte niemand daraus zu erkennen vermocht, daß acht Tage darauf die am Balkan gelegte Mine auffliegen würde. Durch die iimeren Vorgänge stand die Dele- 204
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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