Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
Page - 204 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 204 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung

Image of the Page - 204 -

Image of the Page - 204 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung

Text of the Page - 204 -

Die beiden folgenden Delegationen erbrachten meine letzte Tätig- keit als Minister und gestalteten sich durch die politischen Begleit- erscheinungen besonders interessant und spannend. Vor allem möchte ich eine Bilanz meiner Position geben, in der ich in die Session eintrat. Die Passiva waren vorherrschend. Die offensichtliche kaiserliche Ungnade hatte sich im I^aufe des Jahres so potenziert, daß sie mir auch die Bundesgenossenschaft all jener Volkstribunen entzog, die aulischen Einflüssen zugängUch waren. Als Gegengewicht war allerdings die Gunst des Erzherzogs da, doch diese repräsentierte damals mehr den Schein als ein vollwichtiges Gegenstück. Einerseits wollte sich der Thronfolger zu dem Träger der Krone, der seine Anschauung so deuÜich kundgab, doch nicht ganz in Gegensatz stellen, anderseits erschienen ihm und seinen in- timen Beratern die Erfolge, die ich besonders in den ungarischen An- gelegenheiten mit so großer Mühe erkämpft hatte, noch immer zu gering. Um ihrem geheimen Wunsch: ,,Wiederkehr zur alten, kai- serlichen Armee" zu entsprechen, hätte ich Wunder wirken oder einen Staatsstreich riskieren müssen. Dazu fehlten mir aber Macht, Absicht und Wille. Die Stütze, die mir derErzherzog bot, war daher nicht voll als Aktivposten einzustellen. Ich wußte, daß von den beiden Delegationen die österreichische weder kalt noch warm sein würde, wenn man von den Sozialdemo- kraten absah, die prinzipiell alle Anforderungen und Maßnahmen bekämpfenwürden. Vondenandern Parteienwarenmir einigeStimm- führer, Dr. I>cher, Sustersid, Levicky, Isopescul-Grecul, dann aus grundsätzhchen Ursachen die meisten Mitglieder des Herrenhauses geneigt. Immerhin war ich überzeugt, daß sich für mich rüemand ereifern würde. Von der ungarischen Delegation konnte ich jedoch nur wenig Gutes erhoffen, wenn auch manche Anzeichen dafür spra- chen, daß die Weißglühhitze, die noch im Frühjahr geherrscht hatte, einen erheblichen Temperaturverlust erHtten hatte. Als Aktiva durfte ich mir eigentlich nur den einen Umstand in Rechnung stellen, daß ich für das Budget 1912 keinerlei Neuforderungen zu stellen brauchte, da solche schon im Ministerrate gefallen waren. Hierzu kam noch meine Annahme, daß man die äußere Situation doch endlich einmal begreifen würde. Die feierliche Eröffnung der Delegationstagung fand in gewohnter Weise statt. In der Thronrede klangen zum erstenmale ernstere Worte bezügUch der äußeren Situation. „Elektrische Spannungen, pohtisches Wetterleuchten" u. a. Trotzdem hätte niemand daraus zu erkennen vermocht, daß acht Tage darauf die am Balkan gelegte Mine auffliegen würde. Durch die iimeren Vorgänge stand die Dele- 204
back to the  book Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung"
Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Title
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Subtitle
Eine Lebensschilderung
Author
Auffenberg von Komarów
Publisher
Drei Masken Verlag München
Location
München
Date
1921
Language
German
License
PD
Size
13.4 x 21.6 cm
Pages
536
Categories
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Aus Österreichs Höhe und Niedergang