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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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tötet worden sein sollte. Lange Zeit hindurch bildete dieser Fall gleichsam das Kassenstück fast der gesamten inländischen Presse, dessen Vorführung vor dem P, T. Publikum seitens der obersten Reichsämter eher favorisiert, denn behindert wurde. Und zwar zu einer Zeit, wo es schon erwiesen war, daß eine ernstliche Verletzung der staathchen Autorität Österreichs eigentlich nicht vorliege. Dieses Vorkommnis gab immerhin Veranlassung zur Wahl eines einzuschla- genden Weges. Genau genommen war man nicht mißgestimmt, end- lich einen Grund zu finden, gegen Serbien, das sich als Todfeind ge- bärdete, einzuschreiten. Von diesem Momente an mußten auch die miHtärischen Vorbereitungen Leben gewinnen. Zunächst ging man an eine Standeserhöhung der Südkorps VII, XIII, XV und XVI, wodurch die Aufregung in der Monarchie, doch auch jene in Ruß- land wuchs. So sehr ich der Überzeugung war, daß jede Konflagration mit Serbien auch den Krieg mit Rußland auslösen würde, so sehr hatte ich das Gefühl, daß in diesem Falle die Einigkeit der Balkanvölker einen heftigen Stoß erhalten dürfte. Und meine politische Witterimg sagte mir, daß Bulgarien das Land sei, das am ehesten einen Bundes- genossen abgeben könnte. In dieser Voraussicht überließ ich damals den Bulgaren auf ihre Bitte 50 000 Stück ältere Gewehre, wobei allerdings nicht nur politisch-platonische Gefühle, sondern auch reale Faktoren, namentlich hinsichtUch Modernisierung der eigenen Waffen- bestände, mitsprachen, wovon ich auch Berchtold zu überzeugen wußte. Diese Aktion war tatsächlich die erste Brücke, die zwischen unserer Monarchie und Bulgarien wieder geschlagen wurde, wie dies erste poHtische Autoritäten, speziell der damahge bulgarische Ge- sandte, Herr Salabascheff, laut erklärten. Wie aber so vieles, was ich zum Besten der Sache geschaffen hatte, für mich persönlich zum Unheil wurde, erwuchsen mir auch hieraus später die größten Un- annehmlichkeiten. — Die Erregung in den breiten Schichten des Volkes vergrößerte sich von Tag zu Tag. Das Prinz-Eugen-Lied drang wie ein Ruf durchs Land, und die noch durch keine Zensur eingeengte Presse ließ die Besorgnis oder — wenn es dem Beurteiler gefiel— die Hoffnung aufkommen, daß kriegerische Ereignisse unmittelbar bevorstünden. Persönlich noch nicht daran glaubend, konnte ich mich der Sorge doch nicht entschlagen, daß die Möghchkeit solcher Ereignisse nahe- gerückt war, und ich empfand die schwere Verantwortung. Was half's, die Rückständigkeiten erkannt imd darauf rückhaltslos auf- merksam gemacht zu haben ! Dawarensie! Wer würde gegebenen Falles nach den tatsächHch Schuldtragenden fragen ? 14* 211
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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