Page - 211 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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tötet worden sein sollte. Lange Zeit hindurch bildete dieser Fall
gleichsam das Kassenstück fast der gesamten inländischen Presse,
dessen Vorführung vor dem P, T. Publikum seitens der obersten
Reichsämter eher favorisiert, denn behindert wurde. Und zwar zu
einer Zeit, wo es schon erwiesen war, daß eine ernstliche Verletzung
der staathchen Autorität Österreichs eigentlich nicht vorliege. Dieses
Vorkommnis gab immerhin Veranlassung zur Wahl eines einzuschla-
genden Weges. Genau genommen war man nicht mißgestimmt, end-
lich einen Grund zu finden, gegen Serbien, das sich als Todfeind ge-
bärdete, einzuschreiten. Von diesem Momente an mußten auch die
miHtärischen Vorbereitungen Leben gewinnen. Zunächst ging man
an eine Standeserhöhung der Südkorps VII, XIII, XV und XVI,
wodurch die Aufregung in der Monarchie, doch auch jene in Ruß-
land wuchs.
So sehr ich der Überzeugung war, daß jede Konflagration mit
Serbien auch den Krieg mit Rußland auslösen würde, so sehr hatte
ich das Gefühl, daß in diesem Falle die Einigkeit der Balkanvölker
einen heftigen Stoß erhalten dürfte. Und meine politische Witterimg
sagte mir, daß Bulgarien das Land sei, das am ehesten einen Bundes-
genossen abgeben könnte. In dieser Voraussicht überließ ich damals
den Bulgaren auf ihre Bitte 50 000 Stück ältere Gewehre, wobei
allerdings nicht nur politisch-platonische Gefühle, sondern auch reale
Faktoren, namentlich hinsichtUch Modernisierung der eigenen Waffen-
bestände, mitsprachen, wovon ich auch Berchtold zu überzeugen
wußte. Diese Aktion war tatsächlich die erste Brücke, die zwischen
unserer Monarchie und Bulgarien wieder geschlagen wurde, wie dies
erste poHtische Autoritäten, speziell der damahge bulgarische Ge-
sandte, Herr Salabascheff, laut erklärten. Wie aber so vieles, was
ich zum Besten der Sache geschaffen hatte, für mich persönlich zum
Unheil wurde, erwuchsen mir auch hieraus später die größten Un-
annehmlichkeiten. —
Die Erregung in den breiten Schichten des Volkes vergrößerte sich
von Tag zu Tag. Das Prinz-Eugen-Lied drang wie ein Ruf durchs
Land, und die noch durch keine Zensur eingeengte Presse ließ die
Besorgnis oder — wenn es dem Beurteiler gefiel— die Hoffnung
aufkommen, daß kriegerische Ereignisse unmittelbar bevorstünden.
Persönlich noch nicht daran glaubend, konnte ich mich der Sorge
doch nicht entschlagen, daß die Möghchkeit solcher Ereignisse nahe-
gerückt war, und ich empfand die schwere Verantwortung. Was
half's, die Rückständigkeiten erkannt imd darauf rückhaltslos auf-
merksam gemacht zu haben ! Dawarensie! Wer würde gegebenen
Falles nach den tatsächHch Schuldtragenden fragen ?
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Title
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Subtitle
- Eine Lebensschilderung
- Author
- Auffenberg von Komarów
- Publisher
- Drei Masken Verlag München
- Location
- München
- Date
- 1921
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.4 x 21.6 cm
- Pages
- 536
- Categories
- Geschichte Nach 1918