Seite - 214 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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lassen. Wenn sie ganz in Albanien drin sind, sind sie für 30 Jahre
festgenagelt. Dies sahen wir doch an Bosnien-Herzegowina. Wäh-
rend dieser Zeit läßt sich aber vieles machen. Ewig werden wir doch
nicht „Nichtbereit" sein! Und auch wegen der Adriahäfen sollten
wir uns jetzt nicht zu sehr aufregen. Sind vor 30 Jahren und ohne
eine Milliarde nicht in Stand zu setzen. — Delegationsempfang,
Thronrede. Brachte nicht viel Neues. Abendsitzung im ungarischen
Viererausschuß. Talian Vorsitzender. Ruhiger, guter Verlauf.
7. November. Schlaflose Nacht. Nachrichten aus Rußland machen
mir Sorge. Wir sind artilleristisch weit zurück. Will 76 Batterien-
projekt durchbringen. Wenn mir nur nicht Alle Schwierigkeiten ma-
chen wollten! Anderseits, jetzt mitten im Winter, wo wir darauf so
gar nicht eingerichtet sind! Vernunft rät zum Frieden. Mindestens
zum Temporisieren. Doch ich gelte so schon als Pessimist. Schließ-
lich entscheiden aber doch nur die realen Faktoren. Berchtold stets
guter Laune. Beneide ihn.
8. November. Erwägungen und Besprechungen bezügUch Winter-
ausrüstung. Mein Gott, wird das wieder Geld kosten! Die Finanz-
minister! Ja, zu meinem Vergnügen tu ich's nicht!
Gemeinsame Ministerkonferenz. Bosnisch-herzegowinische Bahn-
frage erledigt. Gottlob endhch! Nachmittag Fortsetzung der Be-
sprechungen wegen der Artillerie. Auch bezüglich der neuen Hau-
bitzen. Mir unverständHch, wie man 1899 diese Frage so unglücklich
lösen konnte! Einige Kompanien gesehen. Brillanter Eindruck.
Aber diese Stände— völlig lächerHch! Besuche bei Fejervary, Bu-
rian usw. Abends gemütliches Souper. Wir sind doch alle ein wenig
Phäaken!
9. November. Besuch der Manfred-Weiß-Werke auf Insel Csepel.
ErstaunHch umfangreich und leistungsfähig, was wesentHch beruhi-
gend wirkt. Ein Selfmademan erster Güte, der auch großen poli-
tischen Einfluß hat, den man sich warm halten muß. Akzeptiere
daher auch einen Frühstückimbiß, was sonst gegen mein Prinzip.
Schwierigkeiten in Lösung der Unteroffiziersfrage. Natürlich wieder
seitens Teleszkys! Ach was, — ich muß sie durchreißen. Nach-
mittag Fahrt nach Wien.
10. November. Franz Ferdinand kommt nach Budapest! Muß
sofort zurück. Vorher noch kurze Enquete wegen feldmäßiger Bau-
ten in GaHzien. Seit Jahren alles nur mehr lau betrieben. Und jetzt,
wo's friert, sind selbst diese Anlagen nur mit enormen Kosten her-
zustellen. Neige immer mehr vorläufigem Ausgleich zu. Lieber ein
Olmütz (ä la Manteuffel) als ein Königgrätz, Ein Großstaat muß
den Krieg wollenkönnen, respektive planen, sollnicht sonolensvolens
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Titel
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Untertitel
- Eine Lebensschilderung
- Autor
- Auffenberg von Komarów
- Verlag
- Drei Masken Verlag München
- Ort
- München
- Datum
- 1921
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.4 x 21.6 cm
- Seiten
- 536
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918