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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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ernster Natur und redlicher Unterstützung fehlen. Schließlich hat er doch die oberste Verantwortung zu tragen. Vormittag im Ge- bäude der österreichischen Delegation kommt Chefredakteur des „Pester Lloyd", Dr. Singer, zu mir und stellt mir nach längerer Ein- leitung die Proposition einer Art Waffenbrüderschaft. Will sich politisch zur Disposition stellen gegen kleine Informationen. Ich ant- worte dilatorisch, bin imGrund aber erfreut, weil es den vollständigen Umschwung charakterisiert. Gerade dieses Regierungsblatt konnte sich bisher an feindlichen Angriffen gegen mich nicht genugtun. Am Nachmittag Schluß der Verhandlung in der ungarischen Delegation. Sehr zufriedenstellend, rein sachlich, vollste Harmonie, alle Forde- nmgen durchgebracht. Wenn ich ungarisch spräche, würde ich viel- leicht sogar zum enfant gate avancieren. Am Abend Souper bei Heltai. Heltai, der mich im vorigen Jahr am liebsten in offener Parlamentssitzung gestürzt hätte ! Jetzt größte Herzlichkeit. Toaste des Hausherrn, Okolicsanyis , Wolfs, Montecuccolis und meiner- seits. Werde lebhaft akklamiert. Solimossy raunt mir zu, daß den Ungarn noch nie ein Kriegsminister so imponiert hat. Na schön! ,,Auf daß sie ewig grünen bliebe ..." und auf daß es auch dem ,,Olymp" recht wäre! i6. November. Ministerbesprechung wegen der laufenden Rüstun- gen und der endlichen Finalisierung der Unteroffiziersfrage. Teleszky wie stets äußerst spießig, wird von mir scharf apostrophiert. Auch die andern apathisch und wenig freundlich. Bedaure! Doch wie der Hase jetzt läuft, läßt sich nichts anderes machen! Potiorekbombar- diert mich mit Wünschen, die Ausgestaltung seiner Korps be- treffend. Gab ihm ohnedies eine Menge und dazu lauter tüchtige Generale. Kann nicht die ganze Armee plündern. Und schließlich würde sich's dort unten doch nur um den Nebenkriegsschauplatz handeln. 17. November. Laufende Arbeiten, insbesondere die Artillerieaus- gestaltung betreffend. Jetzt scheint's damit endlich doch vorwärts zu gehen. Während der Rückfahrt Konversation mit österreichischem Finanzminister Grafen Zaleski. Er klagt. Natürlich. Das sind aber großenteils Folgen früherer Sünden. Ist übrigens ein hocheinsichts- voller Mann. Absolut kein Nörgler. 18. November. In der Früh mit Montenuovo bei Berchtold, der noch im Neglige. Wir lachen über dieses ,,Lever du roi". Prinz Hohenlohe soll als Spezialkurier nach Petersburg fahren mit Brief unseres Kaisers an den Zaren. Hohenlohe will eine diplomatische Spezialvollmacht haben. Begreiflich. Wünsche seiner Mission vollsten Erfolg, Ungezählte Millionen könnten erspart werden. Von andern 217
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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