Page - 217 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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ernster Natur und redlicher Unterstützung fehlen. Schließlich hat
er doch die oberste Verantwortung zu tragen. Vormittag im Ge-
bäude der österreichischen Delegation kommt Chefredakteur des
„Pester Lloyd", Dr. Singer, zu mir und stellt mir nach längerer Ein-
leitung die Proposition einer Art Waffenbrüderschaft. Will sich
politisch zur Disposition stellen gegen kleine Informationen. Ich ant-
worte dilatorisch, bin imGrund aber erfreut, weil es den vollständigen
Umschwung charakterisiert. Gerade dieses Regierungsblatt konnte
sich bisher an feindlichen Angriffen gegen mich nicht genugtun. Am
Nachmittag Schluß der Verhandlung in der ungarischen Delegation.
Sehr zufriedenstellend, rein sachlich, vollste Harmonie, alle Forde-
nmgen durchgebracht. Wenn ich ungarisch spräche, würde ich viel-
leicht sogar zum enfant gate avancieren. Am Abend Souper bei
Heltai. Heltai, der mich im vorigen Jahr am liebsten in offener
Parlamentssitzung gestürzt hätte ! Jetzt größte Herzlichkeit. Toaste
des Hausherrn, Okolicsanyis , Wolfs, Montecuccolis und meiner-
seits. Werde lebhaft akklamiert. Solimossy raunt mir zu, daß den
Ungarn noch nie ein Kriegsminister so imponiert hat. Na schön!
,,Auf daß sie ewig grünen bliebe ..." und auf daß es auch dem
,,Olymp" recht wäre!
i6. November. Ministerbesprechung wegen der laufenden Rüstun-
gen und der endlichen Finalisierung der Unteroffiziersfrage. Teleszky
wie stets äußerst spießig, wird von mir scharf apostrophiert. Auch
die andern apathisch und wenig freundlich. Bedaure! Doch wie der
Hase jetzt läuft, läßt sich nichts anderes machen! Potiorekbombar-
diert mich mit Wünschen, die Ausgestaltung seiner Korps be-
treffend. Gab ihm ohnedies eine Menge und dazu lauter tüchtige
Generale. Kann nicht die ganze Armee plündern. Und schließlich
würde sich's dort unten doch nur um den Nebenkriegsschauplatz
handeln.
17. November. Laufende Arbeiten, insbesondere die Artillerieaus-
gestaltung betreffend. Jetzt scheint's damit endlich doch vorwärts
zu gehen. Während der Rückfahrt Konversation mit österreichischem
Finanzminister Grafen Zaleski. Er klagt. Natürlich. Das sind aber
großenteils Folgen früherer Sünden. Ist übrigens ein hocheinsichts-
voller Mann. Absolut kein Nörgler.
18. November. In der Früh mit Montenuovo bei Berchtold, der
noch im Neglige. Wir lachen über dieses ,,Lever du roi". Prinz
Hohenlohe soll als Spezialkurier nach Petersburg fahren mit Brief
unseres Kaisers an den Zaren. Hohenlohe will eine diplomatische
Spezialvollmacht haben. Begreiflich. Wünsche seiner Mission vollsten
Erfolg, Ungezählte Millionen könnten erspart werden. Von andern
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Title
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Subtitle
- Eine Lebensschilderung
- Author
- Auffenberg von Komarów
- Publisher
- Drei Masken Verlag München
- Location
- München
- Date
- 1921
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.4 x 21.6 cm
- Pages
- 536
- Categories
- Geschichte Nach 1918