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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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zu meiner Überraschung, einen leisen Vorwurf rnachte, ich hätte den Marinekommandanten nicht genügend unterstützt. Meine Erwide- rung, daß ich mit meinem eigenen Ressort wahrHch genug zu tun gehabt und daß für die Marine in den letzten Jahren ohnedies be- deutend mehr geschehen war wie für das Heer, ließ der Erzherzog bei seiner Vorliebe für die Marine nicht recht gelten. Und da er, wie stets, über alle Detailvorkommnisse genau unterrichtet war, wußte er auch den Hergang des Soupers bei Heltai, sprach sich über denToast einesFunktionärs in wenig schmeichelhafterWeise aus, und ich hatte das Gefühl, daß er auch mir das gute persönliche Verhält- nis, das ich mit den Ungarn angebahnt hatte, durchaus nicht auf das Konto ,,Haben" einstellte. Der Thronfolger war zwar liebens- würdig wie stetsund vertröstete mich— auch wie stets— mit meinen berechtigten Aspirationen auf eine nahe Zukunft, doch glaube ich bestimmt, daß damals die Pour-Parlers über meine Demission schon im Gange waren.— Die Nachrichten über die Maßnahmen unserer wahrscheinlichen Gegner schwankten hin und her, gewannen aber dennoch an Bedroh- lichkeit. Auch mußte man in Betracht ziehen, daß die Nachrichten des Kundschaftsdienstes verspätet eintrafen, und dieser Dienst über- haupt nicht allzu glatt funktionierte. So kam ich beispielsweise eines Morgens ins Büro, als soeben eine aus dem Ministerium des Äußern übermittelte chiffrierte Depesche präsentiert wurde. Ich nahm ein Zeitungsblatt zur Hand und mußte lächeln, denn darin stand bereits eine Notiz, die nahezu dasselbe enthielt wie das Telegramm. Ein Höhepunkt in der politischen Krise und gleichzeitig eine Ent- spannung trat ein, als unser Botschafter in Petersburg, Graf Thurn- Valsassina, telegraphierte, daß er amTage vorher eine Audienz beim Zaren gehabt, wobei ihm dieser durchaus friedliche Versicherungen gegeben, ja wo er direkt ausgesprochen hatte, daß er einen Krieg vermeiden wolle. Eine Zeitlang wirkte dies auch tatsächlich beruhi- gend. Andererseits mahnten bestimmte Vorkommnisse noch immer zur äußersten Vorsicht. So die authentisch festgestellten Truppenver- schiebungen, die Anhäufung von Vorräten aller Art an allen Bahn- knoten, in erster Linie aber die famose, schon im Juli avisierte Probe- mobilisierung, wodurch der Gefechtsstand der russischen Infanterie auf fünfviertel Millionen Gewehre angewachsen war. — Am 7. Dezember erhielt ich eine Audienzeinladung des Thronfol- gers. Ich dachte, er hätte mir etwas Belangreiches sachlicher Natur zu sagen. Man kann sich daher meine Überraschung ausmalen, als mir Franz Ferdinand nach konventioneller Einleitung die Proposition machte, das Prävenire zu spielen und meine Demission zu erbitten! 222
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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