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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Am folgenden Tage erschien ich beim Kaiser. Nach dem Referat über die laufenden Dinge konnte ich mir's nicht versagen, eine gedrängte Skizze über meine Schöpfungen in den abgelaufenen fünfviertel Jahren zu geben. Dann erhob ich mich, imd sprach: ,,Da ich jedoch erkenne, daß es mir trotzdem nicht ge- limgen ist, das Vertrauen Eurer Majestät zu gewinnen, bitte ich um meineDemission." Der Kaiser nahm es mitGleichmut auf, und auch hier konnte ich die Motive nicht erfahren, die meinen Rücktritt ge- fordert hatten. Der Träger der Krone hatte für seinen scheidenden Berater ebenfalls nur einige Allgemeinheiten von stets zunehmender Antipathie und Beschwerdeführung der andern Ratgeber. Dann meinte der Monarch sarkastisch lächelnd: ,,Übrigens ist ja auch Ihr Protektor, der Thronfolger, anderer Anschauung geworden." Dies stimmte allerdings nicht mit dem überein, was mir der Erzherzog tags vorher gesagt hatte, doch brauchte es deswegen beileibe nicht unrichtig gewesen zu sein. ImStiegenhaus begegnete mir der Chef des Generalstabes, Schemua, den die analoge Veranlassung in die kaiserlichen Hallen führte. Er war besonders darüber erbost, daß man ihn kurz vorher nach Berlin gesendet hatte— in einem Zeitmoment, da man doch schon wissen mußte, daß er die getroffenen Vereinbarungen nicht mehr würde aus- füliren können. Drei Tage später kam das übhche Handschreiben, das auffallend kühl, fast verletzend war. Der Orden der Eisernen Krone erster Klasse, den ich hierbei erhielt, wurde mir auch nicht „in Anerkennung meiner Verdienste", sondern nur „bei dieserGelegenheit" verliehen— eine Auszeichnung, die gewöhnlich den Kommandierenden Generalen und den Ressortministern gegeben wurde. Es sollte mir auch durch diese Anerkenntmg die Nichtanerkennung ausgedrückt werden. Vom Thronfolger wurde ich nochmals zur Audienz geladen, bei der er mich seiner fortdauernden Freundschaftund seines Vertrauens versicherte und mir kundgab, daß er meine Ernennung zum Armee- inspektor erwirkt habe. Hingegen versicherte mir Conrad wieder- holt— mündlich und schriftUch—, daß dies nur seiner Stellung- nahme zuzuschreiben sei. Sei's nun dieser, sei's jener gewesen, ich glaube, der Staat kam auf seine Rechnimg. Den Schauplatz meines bisherigen Wirkens, den vielbegehrten und vielumstrittenen Ministerfauteuil, verließ ich erhobenen Hauptes. Ich hatte das Gefühl, meine Pflichtim weitestenUmfang erfüllt zu haben, nicht nur als gewissenhafter Administrator, sondern auch als verant- wortungsfreudiger Organisator, als wirkUcher Minister, nicht nur als gefügiges und brauchbares Werkzeug. Wohl verstand ich es, den 15 Auffeaberg 22$
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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