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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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willkommen gewesen, um die Nationalitäten zu stärken und zu fes- seln; dagegen äußerte er sich oft über die Konsequenzen, die das allgemeine Wahlrecht in Österreich gezeitigt hätte, nichts weniger als entzückt. Der Armee brachte Franz Ferdinand zweifelsohne das größte Inter- esse entgegen. Nicht etwa aus Vorliebe oder irgendwelcher anderen Herzensregimg. Er war kein Gemüts-, sondern Verstandesmensch, vertrat in erster Linie seine und der Dynastie Vorteile und wertete alles in dieser Hinsicht. So sah er in der Armee, in der er übrigens wie jeder Erzherzog zum Teil erzogen worden war, das mächtigste Instrument zur Hebung dieser Vorteile und wendete sich ihr haupt- sächlich aus diesem Grunde zu. Feststehende Ansichten über die organisatorischen Notwendigkeiten und Ausgestaltungen hatte er eigentlich nicht. Er wurzelte \delfach noch in überkommenen Tradi- tionen, doch ließ er sich überzeugen, wenn sein heller Kopf die wirk- lichen Vorteile irgendwelcher Neuerung erfaßt hatte. Im Gegensatz zum alten Herrn kümmerte er sichum Ausbildungsdetails nur wenig. Er tat recht daran. Für einen künftigen Herrscher ist der Blick fürs Große wichtiger als kleinliche Detailkenntrus. In der Manöverleitung liebte er bei größern Verbänden konzentrierte Massenstöße. Also wieder ältereSchule. Aber er ließ sich auchdaüberzeugen, undgerade die Armeemanöver des Jahres 1913— von denen später die Rede sein wird— dürften einen Wechsel in seinen Anschauimgen hervor- gerufen haben. Für ganz große Verhältnisse mangelte ihm zwar nicht der Blick, wohl aber die eingehende theoretische Grundlage, ohne die man im Zeitalter der Technik leicht in Fehler verfällt und Unmöglichkeiten anstrebt. Seine Studien und Beobachtungen in dieser Richtung zu ergänzen, gebrach es ihm an Zeit, da er zu viel- seitig war und sich bald ablenken ließ, leider auch oft durch klein- liche Vorkommnisse und Tagesfragen, namenthch wenn sie Güter- ameliorationen oder den Jagdsport betrafen. Den höheren Persona- lien wendete er große Aufmerksamkeit zu. Dabei ließ er sich in der Regel von sachlichen Momenten leiten, ab und zu aber auch von Sympathie und Antipathie. Bedenklich waren die Einflüsterungen, die oft von höchst unberufener Seite kamen und Dinge in Betracht zogen, die mit dem miUtärischen Wert der verschiedenen Persön- hchkeiten nichts gemein hatten, beispielsweise Nationalität mid ReUgion. Sein Interesse für die Marine war besonders rege. Er unterstützte die Bestrebungen des Marinekommandanten Grafen MontecuccoH auf das entschiedenste, wodurch auch die erste Dreadnoughtdivision binnen kürzester Zeit geschaffen werden konnte. Werm mir ein Teil 230
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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