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willkommen gewesen, um die Nationalitäten zu stärken und zu fes-
seln; dagegen äußerte er sich oft über die Konsequenzen, die das
allgemeine Wahlrecht in Österreich gezeitigt hätte, nichts weniger
als entzückt.
Der Armee brachte Franz Ferdinand zweifelsohne das größte Inter-
esse entgegen. Nicht etwa aus Vorliebe oder irgendwelcher anderen
Herzensregimg. Er war kein Gemüts-, sondern Verstandesmensch,
vertrat in erster Linie seine und der Dynastie Vorteile und wertete
alles in dieser Hinsicht. So sah er in der Armee, in der er übrigens
wie jeder Erzherzog zum Teil erzogen worden war, das mächtigste
Instrument zur Hebung dieser Vorteile und wendete sich ihr haupt-
sächlich aus diesem Grunde zu. Feststehende Ansichten über die
organisatorischen Notwendigkeiten und Ausgestaltungen hatte er
eigentlich nicht. Er wurzelte \delfach noch in überkommenen Tradi-
tionen, doch ließ er sich überzeugen, wenn sein heller Kopf die wirk-
lichen Vorteile irgendwelcher Neuerung erfaßt hatte. Im Gegensatz
zum alten Herrn kümmerte er sichum Ausbildungsdetails nur wenig.
Er tat recht daran. Für einen künftigen Herrscher ist der Blick fürs
Große wichtiger als kleinliche Detailkenntrus. In der Manöverleitung
liebte er bei größern Verbänden konzentrierte Massenstöße. Also
wieder ältereSchule. Aber er ließ sich auchdaüberzeugen, undgerade
die Armeemanöver des Jahres 1913— von denen später die Rede
sein wird— dürften einen Wechsel in seinen Anschauimgen hervor-
gerufen haben. Für ganz große Verhältnisse mangelte ihm zwar
nicht der Blick, wohl aber die eingehende theoretische Grundlage,
ohne die man im Zeitalter der Technik leicht in Fehler verfällt und
Unmöglichkeiten anstrebt. Seine Studien und Beobachtungen in
dieser Richtung zu ergänzen, gebrach es ihm an Zeit, da er zu viel-
seitig war und sich bald ablenken ließ, leider auch oft durch klein-
liche Vorkommnisse und Tagesfragen, namenthch wenn sie Güter-
ameliorationen oder den Jagdsport betrafen. Den höheren Persona-
lien wendete er große Aufmerksamkeit zu. Dabei ließ er sich in der
Regel von sachlichen Momenten leiten, ab und zu aber auch von
Sympathie und Antipathie. Bedenklich waren die Einflüsterungen,
die oft von höchst unberufener Seite kamen und Dinge in Betracht
zogen, die mit dem miUtärischen Wert der verschiedenen Persön-
hchkeiten nichts gemein hatten, beispielsweise Nationalität mid
ReUgion.
Sein Interesse für die Marine war besonders rege. Er unterstützte
die Bestrebungen des Marinekommandanten Grafen MontecuccoH auf
das entschiedenste, wodurch auch die erste Dreadnoughtdivision
binnen kürzester Zeit geschaffen werden konnte. Werm mir ein Teil
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Title
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Subtitle
- Eine Lebensschilderung
- Author
- Auffenberg von Komarów
- Publisher
- Drei Masken Verlag München
- Location
- München
- Date
- 1921
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.4 x 21.6 cm
- Pages
- 536
- Categories
- Geschichte Nach 1918