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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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ter erzählten sogar von Lieferungen, die ich in der kritischen Zeit effektuiert, dann wieder storniert hätte, wobei der Staat der zahlende Teil gewesen sein soll. Ich wollte dementieren. Doch die Maßgeben- den ließen es nicht zu. Sie waren fürs Ignorieren. Dies war im alten Österreich der beliebteste Standpunkt, zu dem man immer flüchtete, wenn man den einzuschlagenden Weg nicht erkannte oder ihn ver- meiden wollte. Kein Lärm. Kein Skandal. Das war die Devise, die aus dem vornehmen, bedrückend stillen Arbeitszimmer liinunter- drang, wo man dann, hinter dieser Devise versteckt, in geheimer Wühlarbeit die IVIinen legte. Nach Wien heimgekehrt, widmete ich mich eingehend den Agenden meiner neuen Tätigkeit. Im Vergleich zu dem Schaffensfeld eines Ministers war deren Umfang natürUch minimal und bestand dem Wesen nach aus Studien und Informationen. In meinem Falle be- zogen sie sich auf Tirol, wo das Schwergewicht meines Inspektorates lag. Dieses umfaßte den Bereich des IV., IX. undXIV. Korps, daraus im Kriegsfalle gegen Italien oder bei einem Doppelkriege die 4. Armee hervorgehen sollte, der ein besonderer Wirkungskreis zugewiesen war. An der Spitze des Inspektorates stand vor meiner Ernennung erst ErzherzogEugen, dannConrad vonHötzendorf, demRenommee nach Matadoren des Gebirgskrieges und Persönlichkeiten, die in Tirol eine besondere Wertschätzung genossen. Dies war mir ein Ansporn, mich durch eingehende theoretische und praktische Studien auf eventuelle Operationen in jenem Lande tüchtig vorzubereiten. Ende Jäimer fand eine der üblichen Personalkonferenzen statt, denen der Kaiser präsidierte. Sie hießen ,,Marschallsräte", obwohl dabei fast ausschließHch nur Personalfragen behandelt wTirden. An- wesend und stimmberechtigt waren : der Kxiegsminister, der Chef des Generalstabes, die Armeeinspektoren, der Generaladjutant und ab und zu auch Waffeninspektoren. Das maßgebende Wort sprach meistens der Thronfolger, der manchmal seine Wünsche schon vor- her bekanntgegeben hatte. Dagegen war nicht leicht zu oppoiüeren. Gleichwohl gab's mitunter recht lebhafte Diskussionen, die zuw'eilen eines humoristischen Anstriches nicht entbehrten. Im März hielt ich in Budapest eines der großen Generalkriegsspiele ab, die innerhalb der Armeeinspektorate alljährhch durchgeführt wurden. Auf Wunsch des Chefs des Generalstabes bearbeitete man eine Operation, in der eine linke Flügelarmee aus dem Aufmarsch- raume: Lemberg—Brod}^ zur Offensive gegen das Festungsdreieck: Dubno—Rowno—Luck vorzugehen hatte, Verhältnisse, wie sie bei einem eventuellen Aufmarsch in Ostgalizien gedacht wurden und die dann während des Weltkrieges— in dessen zweitem Teil— als Folge 235
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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