Seite - 240 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Und jetzt, nach dem Weltkriege, in dem das „wirtschaftliche Mo-
ment" die für uns so furchtbare Schlußentscheidung gegeben, bedarf
es wohl keiner weitern Ausführung, wie richtig damals meine Argu-
mentationen gewesen. Ich wül mich durchaus nicht rühmen, daß
ich die ungeheuere Bedeutung jenes Momentes in seiner ganzen prä-
dominanten Bedeutung bis in die letzten Konsequenzen erkannt
hätte, doch schwebten mir wenigstens die Grundlineamente vor
Augen, die dann zwei Jahre später im fortgeschrittenen Stadium
des Krieges eine ziemlich düettantenhafte Beachtimg fanden.
Dies zeigt wohl, wie schwer man bei uns arbeitete, wenn man nur
irgendwie von der Schablone abwich, und welch ganz außerordent-
liches Maß an Tücke des Schicksals und der Menschen dazugehörte,
damit diese beiden verdienstvollen Leistimgen in ihren Folgen für
mich geradezu in das Gegenteil verkehrt werden konnten.
Diese Vorkommnisse spielten sich in den Monaten März bis Juni
ab. Es war für mich eine peinliche Zeit, um so mehr als etliche Blät-
ter sich an Unflatergüssen nicht genug tun konnten. Doch alle diese
Stimmen und selbst die Malicen, die im österreichischen Parlament
für meine Person abfielen, fanden weder vom Ministerpräsidenten
noch vom Landesverteidigungsminister^) die richtige Abfuhr. Es
kam nur zum früher erwähnten Communique in den Tagesblättern.
Mein Verlangen aber, im Klageweg gegen die Cziffra aufzutreten,
auf daß ihre verleumderischen und lügenhaften Ausstreuungen in
Grund und Boden zertreten würden, wurde von allen maßgebenden
Stellen verhindert, indemman anmeinpatriotischesGefühl appellierte
und auf die Gefahren hinwies, die für den Staat erwachsen könnten,
wenn man den Gewehrverkauf noch weiter bespreche. Ein hoher
Funktionär schickte mir sogar täglich seinen Abgesandten ins Haus,
um mich zu beruhigen und vor irgendeinem unwillkommenen Schritt
zurückzuhalten. Es gab sogar einige besonders gedeichselte Hypo-
kriten, die schmunzelnd meinten: „Mein Gott, Auffenberg leidet aus
Gründen der Staatsraison, die man nicht preisgeben darf. Das muß
ihn trösten!"
Unter all diesen Umständen schien mir's wie eine Erlösung, als
die Zeit der Inspizierungen gekommen war und ich wieder bei den
braven Truppen weüen durfte. Ich fuhr in das große Übungslager
nach Benatek, wo die Truppen des IX. Korps die Bataillonsausbil-
^) Zu gleicher Zeit gab das Landesverteidigtuigsministerivun viele tausend
blaugrauer Hosen verkaufsweise ab, die infolge Adjustierungsänderung nicht
mehr zum Feldrüstungsstand zählten. Das war natürhch vollkommen sach-
gemäß, und eine diesbezügUche Interpellation wies der Minister auch prompt
zurück. Für mich aber, der ich mich im Parlament nicht verteidigen durfte,
einzutreten, vermied man, weil es Unbequemlichkeiten bereitet hätte.
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Titel
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Untertitel
- Eine Lebensschilderung
- Autor
- Auffenberg von Komarów
- Verlag
- Drei Masken Verlag München
- Ort
- München
- Datum
- 1921
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.4 x 21.6 cm
- Seiten
- 536
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918